CRümel

CRümel

Mittwoch, 21. November 2018

Technisches - Inspektionsdaten aus dem Handbuch

CRümel hat jetzt 1.8schießmichtot tausend Kilometer gelaufen. Ein Check der Zündkerze zeigte die gewünschte rehbraune Farbe.

Trotzdem steht jetzt in der nächsten Woche eine Erstinspektion an. Das Standgas läuft nicht so prima rund wie es soll - selbst dann nicht, wenn der Motor warm ist. Die Gemischschraube war vor einem Monat eingestellt worden. 

Unser Schrauber des Vertrauens sagte mir, dass die Kleinen öfter gewartet werden sollten. Damit man lange Freude hat, speziell die kleinen Motörchen brauchen mehr Aufmerksamkeit. Das war seine Antwort auf meine Bitte, die Gemischschraube nochmal nachzujustieren. Die Schraube war richtig eingestellt, aber das Ventilspiel stimmt wohl nicht hundertprozentig.

Erstinspektion heißt Motoröl wechseln (800 Milliliter - niedliche Menge!), Kerze überprüfen bzw. austauschen, Ventilspiel einstellen, Schrauben checken.

Eigentlich hatte der Verkäufer schon einen Check gemacht. Aber da hatte CRümel gerade mal 170 Kilometer auf dem Tacho. Das ist jetzt nicht so aussagekräftig wie meine 1.835 ...

Zu den Wartungsintervallen hier mal Infos aus dem Handbuch:





Weitere technische Daten wie folgt:






Nun harre ich der Dinge, die in der nächsten Woche folgen. Einen Ölfilter habe ich bereits gekauft. Ebenso ein Ölsieb.

Der Zündkerzenstecker scheint noch in Ordnung.

Momentan fahre ich nicht. Der Winter hat Einzug gehalten. CRümel bei schmierigen Straßen um die null Grad zu fahren muß ich nicht tun.


Es wird demnächst berichtet, was bei der Inspektion heraus kam.

Übrigens kostet mich CRümel 146 Euro Versicherung im Jahr. Weil ich mit dem Zweitfahrzeug prozentemäßig wieder bei VOLL anfange. Grumpf ... Ellie kostet mich 80 Euro, mit 500 Kubik. Außerdem kommt noch erschwerend dazu: die kleine Kreidler ist aufgrund der Klassifizierung höher eingestuft. Der Grund: 125er werden gern von Jugendlichen gefahren, die damit nicht höflich umgehen und doch recht viele Auffälligkeiten bei den Versicherungen verursachen.

Montag, 12. November 2018

Winterfest. Winter Fest!

CRümel bekam eine Winterausrüstung. Nicht für sich, nein - für meine Wenigkeit. In der kalten Jahreszeit fahren, das bedeutet für meine Hände Höchststreß.

Bei Ellie habe ich Griffheizung und Stulpen. Beim CRümel sind jetzt "nur" Stulpen angebracht.

Tante Louise lieferte fix. Vom Konzept her passen die Rollerpratzen perfekt auf die Griffe der kleinen Kreidler. Der Innenbereich ist flauschig weich gepolstert. Die Klettöffnung auf der Oberseite hilft, die Stulpen gut um die Spiegel herum anzupassen.


Die Testfahrt am Wochenende brachte den gewünschten Erfolg: das kältebedingte Absterben der Blutgefäße in den Fingern ist bis auf ein Minimum reduziert. Die Handhabung rein-raus ist leichter als bei den Stulpen von Ellie. Die Bedienung der einzelnen Schalter und Hebel ist reine Übungssache. Es ist genug Luft da, um sich nicht "gehandicapt eingesperrt" zu fühlen.




Wir trafen bei der kleinen Testfahrt vier andere Motorradfahrer. Das Grüßen kam euphorisch herüber. Die Winterfahrer zollen einander irgendwie anerkennender Respekt als die Masse in der Saison.

Für mich hat sich der Kauf der Stulpen gelohnt. Die wetterbedingte Qualität der Ausfahrten ist deutlich besser geworden. Ansonsten gilt für mich: Aussehen wurscht - Hauptsache, warm genug!

 

Dienstag, 16. Oktober 2018

Schrauben sind des Teufels

Letzte Woche waren CRümel und ich bei schönstem Indian Summer unterwegs. 

Das Fahren macht einfach Spaß mit der kleinen Maschine. Wir konnten Wege befahren, die trotz Rentnerralley und Hausmeisterbegutachtungen ("Eigentlich dürfen Sie hier ja nicht längs - aber mit so nem kleinen Mofa, da geht das schon ... " ) sic! ... ohne Streß für uns abgingen.




Pause am Wasserschutzgebiet, irgendwo in einem winzigen Wäldchen bei Dorstadt

Hofgut Dorstadt, Landkreis Wolfenbüttel

Und ab und an ernten wir heftige Begeisterung von Kennern. CRümel ist aus der Entfernung ein Blenderchen - erst bei genauem Hingucken merken viele: die ist ja niegelnagelneu. Tja ...





Ich habe jetzt knapp 1.300 Kilometer auf dem Tacho. Die Rechnung ergab 2.6 Liter auf 100 Kilometer. Demnächst steht ein Ölwechsel an. Die Zündkerze sieht gut aus - rehbraun, wie es sein soll. CRümel ist somit jetzt gut eingefahren.

Aber so ganz war ich nicht zufrieden. Da fehlte noch etwas markantes. CRümel sollte eine Zierverschönerung an die vordere Verkleidung bekommen. Ein markantes "Gesicht".  Roller.com lieferte pünktlich und ich ging gut vorbereitet ans Werk. Ein helles Tuch, auf dem die Schrauben lagern sollten. Ein Teppich, wo die abgebauten Teile kratzsicher verwahrt werden.

Soweit, so gut.

Vielleicht hätte ich meinen Kaffee nicht aus diesem Becher trinken sollen ...



Ich löste zwei Schauben von den Halterungen an der vorderen Lampe, und legte sie auf ein Tuch. Die Verkleidung ging mitsamt der Plexiglas-Scheibe ganz einfach herunter.

Dann machte ich mich daran, die Umrandung zu verarbeiten. Sie war mit Metalldraht versehen, der ummantelt ist. Ich mußte schon wirklich arg drücken, damit sich der Wulst um die Plastikkante legte. Endlich war das Werk getan, und gefiel.

Dann ging es ans Anbauen der Verkleidung. Und als ich die erste Schraube greifen wollte, ertönte ein zartes "KLÖTERDIKLICK ätschibätsch" - und das kleine Ding verschwand durch eine Ausbuchtung am Tank in das Innenleben darunter.

Scheiße.

Ich leuchtete mit einer Taschenlampe, und konnte die kleine Schraube auch sehen: sie klemmte in einem Kabelstrang direkt unter dem Tank fest. Alles drücken, schütteln und fummeln brachte nichts. Die Schraube war verkeilt und kam nicht heraus.

Hm. Was tun? Abwarten, bis sie sich von selber löst? Das gefiel mir nicht. Wer weiß, wo sie dann Schaden anrichtete. Ich griff zum Telefon und rief den Zettfahrer an. Der war gerade damit beschäftigt, sein Auto zu polieren - das Wachs war schon aufgetragen. Nachdem ich eine Beschreibung des Problems losgelassen hatte, meinte er entspannt: "Die vibriert schon wieder raus."
Das war jetzt nicht wirklich eine Lösung für mich. Letztendlich packte Zetti Werkzeug ein, und machte sich auf den Weg. Nichtsahnend, dass es eine Vollsperrung auf der Autobahn gab und er mitsamt hunderten Autos entnervt im Stau stehen sollte.

Mittlerweile war es dunkel, und auch mit bösem Fluchen kam die Schraube nicht vorgekrochen. Ich kam auf den Gedanken, die Sitzbank abzubauen. Vielleicht wäre dann ein Herankommen an das fiese Teil möglich. Gesagt, getan. Der Heckbürzel ist mit dem Sitz verschraubt. Aber wenn man die Muttern an der Blinkerhalterung löst, purzeln die Blinkchen herunter, und die Bank läßt sich abnehmen.

CRümel stand so nackig da wie es möglich war. Die Schraube war trotzdem unauffindbar.

Zetti fuhr auf den Hof, ziemlich abgenervt von der Verkehrssituation. Er begutachtete das Chaos, welches sich ihm da auf dem dunklen Garagenvorplatz bot. Bevor es weitergehen sollte, mußte CRümel in die Garage. Auf dem dunklen Boden würde man nichts wiederfinden, was da herunter fallen würde. Nein, auch genaues hinhören würde da nichts bringen! Ich Besserwisser bekam genau die Ansage, die nötig war ...

Also schob ich CRümel hinein. Dann löste Zetti die Schrauben am Tank, legte den Benzinhahn um und hob den Tank ein wenig an. Pling - mit einem hellen und irgendwie gehässigen Ton purzelte Schräublein auf den Garagenboden. Zetti meinte grinsend: "Und das war alles?"
Manchmal könnte ich ihn ...

Die nächste Frage von ihm kam gleich darauf: warum ließen sich die Tankschrauben so leicht lösen? 

Lösung: Weil der Gummipuffer fehlte!

Und ich erinnerte mich an das Teil, was da irgendwo bei der Batterie herumgetrudelt war. Zum Glück hatte ich es nicht weggeworfen. Es erinnerte an einen Kinder-Legostein. Nur mit 2 erhabenen Löcher-Vorrichtungen.
Das war der Gummipuffer, der unter die Tankverschraubung gehörte! Da hatten die Hersteller wohl nicht mehr gewußt, was das Teil sollte - und es einfach unter die Sitzbank gelegt.

Wir schraubten alles zusammen, was zusammen gehörte. Das Ergebnis der ganzen Aktion sah dann so aus:



Nochmal als Vergleich: Vorher


Und Nachher


Die obere Kante der Verschönerung wird demnächst bei Zetti in der Werkstatt mit richtigem Werkzeug angeschrägt, und die Schnittstelle mit einem Schrumpfschlauch verkleidet. Bis über die Scheibe soll sie nicht - dann komme ich nicht mehr ran an das Plexiglas, falls das mal nötig sein sollte. Ich habe jetzt erst einmal die Nase voll von Basteleien.
 

Von vorne, ohne Beleuchtung, sieht es so aus als hätte die Lampe auch eine Umrandung. Das wollte ich zuerst machen. Das geht aber nicht aus Platzmangel. Unten wäre es okay - aber oben schlägt die Lampe fast an die Verkleidung. Die Lampe mittig setzen gibt mir zuwenig Scheinwerferlicht im Dunkeln. Ich möchte schon gerne etwas weiter ausgeleuchtete Straße haben.

Keep on ... Riding / Screwing ... what ever!

Der Zettfahrer stand auf dem Rückweg übrigens noch einmal im Stau. Er brauchte für die 50 Kilometer fast drei Stunden ... der Gute. Helfer in der technischen Not. DANKE :)

Montag, 1. Oktober 2018

Typen - Spiegelanbau - Herbsttour zur Probe


Da die Spiegel der Kreidler nicht wirklich für Rückblick sorgten, hatte ich mir bei der bekannten Tante L. Spiegelverlängerungen geholt. Der Chef der Filliale ging mehrfach um CRümel herum. Meine Frage, was denn wäre, beantwortete er damit: er würde die Typenbezeichnung suchen! Damit meinte er nicht DiceCR, sondern so etwas wie dies:

  • Florett RS (Kleinkraftrad mit Fahrtwindkühlung, 6,25 PS, 5-Gang-Fußschaltung
  • Florett TM (Kleinkraftrad mit Gebläsekühlung, 5,8 PS, 5-Gang-Fußschaltung)
  • Florett RM (40 km/h Mokick mit Fahrtwindkühlung, 2,9 PS, 4-Gang-Fußschaltung)
  • Florett LF (40 km/h Mokick mit Gebläsekühlung, 2,9 PS, 3-Gang-Fußschaltung)
  • Florett LH (40 km/h Mokick mit Gebläsekühlung, 2,9 PS, 3-Gang-Handschaltung)
  • K 50, K 51, K 52 Amazone
  • J 50, J 51
  • R 50 (Roller)
  • Mustang, Mustang Cross, Mustang 80
  • Florett 80, GT, RMC, RMC-S, RMC-B, RMC-BG, Super
  • MP 1/2/19
sowie verschiedene Mofas:

  • Flory MF 12/22/23
  • Flott MF 24/25
  • MF 2/4
  • sm 125
  • MF 30/33, MF 32, MF 34 als Cross-Modell.
Dann kam er selber drauf. Ab da war CRümel nicht mehr so interessant. Ist CRümel ein Blenderchen? Zetti und ich hatten diese Situation noch mehrfach. Neugierige kamen an, schauten und knieten, um dann etwas belämmert von dannen zu ziehen. Naja, abwarten - wer weiß, wie es sich in dreissig Jahren verhält. Dann könnte die Kreidler schon wieder was ganz besonderes und auch wertvoll sein. Mir persönlich gefällt sie jetzt schon. Klein, leicht, wendig und sie macht schlicht und ergreifend Spaß. Mittlerweile hat sie 450 Kilometer bei mir erlebt - Tempo 95 km/h ist gut machbar, wenn die Straße eben ist und nicht zuviel Wind von vorne kommt. Bei Steigungen merkt man dann die 11 PS. Aber das Wegkommen an der Ampel ist innerhalb weniger Sekunden möglich. Wem das denn wichtig ist ...

Zurück zum Thema Spiegel. Der Zettfahrer brachte das Werkzeug, und schraubte wie es sich gehörte. Da ich selber a) nicht die Kraft und b) nicht die grafische Vorstellung davon hatte, WIE das gehörte, gab es kurzfristig eine weitere Herausforderung für ihn, die weit schwerer war als das Anbringen der Verlängerung ;-).

Die Feineinstellung der Spiegel wurde dann später unterwegs vorgenommen. Die Beschichtung der einzelnen Elemente ist nicht wirklich geeignet, da öfter dran herum zu ändern. Pro Verlängerung habe ich 9,90 Euro gezahlt. Angenehmer Effekt: die Spiegel vibrieren jetzt nicht mehr so unangenehm wie vorher!



Der September ging zuende. Die gelbe Zett vom Zetti sollte nochmal ausgeführt werden, bevor sie mehrere Monate in der Garage blieb.

Wir stellten fest, dass die Reifen der Kreidler von der Größe her denen der Kawa entsprachen.



Bislang bin ich mit dem China-Rund "Timsun" zufrieden. Die Fahrten im Elm auf Kastanienfrüchte-Matsch hätten im Vergleich dazu die Reifen der ER5 (Avon) ebenso gefordert. Generell ist im Herbst wegen der Feuchtigkeit auf der Straße im Schattenbereich und auf Blättern auf eine besonnene Fahrweise zu achten. Egal, ob das Motorrad nun 220 Kilogramm oder 140 Kilogramm wiegt. Wegrutschen auf Kastanien taten die Reifen von Ellie ebenso eklig!


Wenn man in einem bestimmten Winkel fotografiert, sieht die Kleine ganz schön groß aus

Auf Schotter - hier zu sehen, auf einem Seitenweg am Elm - läßt sich die leichte Maschine gut bewegen. Das (unbeabsichtigte) Driften geht damit fast von alleine. Dafür sind die Reifen nicht wirklich geeignet, klaro. Ich kann jetzt aber gut nachvollziehen, was Svenja an ihrer Greeny so begeisterte. Ja, leichte Maschinen haben ihren Reiz.

Am Sonntag war noch einmal ein Traumwetter vorhanden. Ich stand in der Garage und überlegte kurz. Wieder fiel die Wahl auf CRümel. Da die kleine Kreidler keine Packtaschen hat, mußte ich mir etwas einfallen lassen. Die Wechsel-Klamotte stopfte ich in einen Rucksack und schnallte ihn dann auf die Rückbank. Ich werde mir Verlängerungsschlaufen basteln, die ich unter die Sitzbank am Gestänge anbringe. So kann Gepäck besser verzurrt werden, ohne dass die Verkleidung zerscheuert wird. Die dicken Haltegriffe für den Sozius sind zwar gut zum verzurren geeignet, aber leider kommt das eventuelle Gepäck sehr weit nach vorne. Mich persönlich nervt das, wenn das von hinten einengt in der Sitzposition. Eine Gepäckbrücke anbringen stört das Gesamtbild. Also bleiben nur Satteltaschen. Hier etwas zu finden, was nicht zu sehr nach Beutelhörnchen ausschaut, dürfte eine Herausforderung darstellen.
Es gibt nicht wirklich viel für kleine Maschinen. Außerdem muß ich das Gesamtgewicht beachten: 134 Kilo erlaubte Zuladung. Ich selbst bin da schon das größte Gewicht. Jetzt mit Alukoffer und Gepäckrolle reisen, das dürfte etwas zuviel des Guten sein. Darum geht es mir auch nicht, sondern um die Möglichkeit, Tagesgepäck bei mir zu haben. Mal sehen, was noch optimiert werden kann.
 


Der Tankrucksack sieht zwar groß aus, beinhaltet aber nur Kleinkram wie Ersatzbrille, Smartphone, Digicam, Powerriegel, Seitenständer-Unterlage und TaTüs. Auf der schlanken Maschine sieht halt nahezu alles "irgendwie groß" aus!
 
Was den Verbrauch angeht, bin ich derzeit bei ungefähr 3 Litern auf 100 Kilometern - Summe des Tageskilometerzählers gegen gerechnet zur Summe der Literzahl beim Volltanken.

Mit Ellie wurde ich bei 250 Kilometern auf dem Tageskilometerzähler schon unruhig. CRümel fuhr 265 Kilometer und nahm dann ungefähr 7 Liter in den Tank. 8 Liter wären noch drin gewesen (wenn die Herstellerangabe von 15 Liter Fassungsvermögen stimmt). Im Vergleich zu Ellies 50 PS ist die Kreidler mit 11 PS schon schluckfreudig, aber - hey, 3 bis 4 Liter im Durchschnitt - was ist das schon. Wir wollen jetzt mal nicht unnötig Erbsen zählen!

Demnächst werde ich die Zündkerze ausbauen und schauen, ob Tante L. die nicht doch vorrätig hat. Laut Liste ist für das CR Dice Modell nämlich nichts ausgewiesen! Florett u.ä. ist vorhanden, aber für die Dice gibt es so erstmal nichts. Frage an die Schwarmintelligenz - wißt ihr mehr darüber?




 

Donnerstag, 27. September 2018

Posieren

Ausritt am 26.9.2018

Erst hieß es, die Begeisterung meines Garagennachbarn zu bewältigen, der kurz vor der Abfahrt minutenlang begeistert um uns herum tanzte ... "Hach wenn ich so etwas sehe, dann bin ich wieder sechzehn Jahre alt! Ist die schick! Sieht die gut aus. Und die Farbe - total klasse. Hach, da fühle ich mich doch gleich wieder jung. Mach sie mal an! Gib mal Gas! Oooh ja den Sound kenne ich  ..." (und hing sich vor den Auspuff und hielt seine Hand davor) ... 

Diesen Gefühlsausbruch mußte ich erstmal verarbeiten!

... dann ging es auf kleine Tour. Ich hatte noch etwas vor.

Erst fuhren wir über das Reitlingstal im Elm. Ich winkte die Knieschleifer vorbei, und einer bedankte sich auch mit einem Handwinker. Nett.
Bei dem herrlichen Herbstwetter war der Elm nicht wirklich erholsam. Diese Rennradfahrer könnte ich der Reihe nach von ihren Bikes fegen. Die fahren, als hätten sie neun Leben. Mehr als einmal kam ich in eine brenzlige Situation, wenn sie die Kurven schnitten und ich sie schon in mir drin geparkt sah.

Es ging vorbei an bekannten Treffpunkten.


Zwei ältere Herren auf der Pausenbank schauten uns neugierig hinterher. Die Frage "Was ist das denn?" konnte ich von ihren Lippen ablesen. Wir fuhren ja nicht schnell, da ist so etwas möglich.

Dann ging es weiter Richtung Schöppenstedt. Der Wind blies jetzt verstärkt, und CRümel kam trotz allem bemühten Geknöter nicht über 80 km/h. Zum Glück nervte keiner von hinten. Einmal kam uns ein Lastzug entgegen. Da prügelte der Sogwind richtig heftig auf uns ein, weia ...

Zeit für eine Pause.

CRümel in Pose.





















Hier ist das Tank-Pad zu sehen - ich finde es paßt zur Kreidler ...


Auf dem Rückweg meinte eine Bio-Muddi, mich überholen zu müssen, und scherte wegen (vorher schon deutlich erkennbarem) Gegenverkehr gefährlich dicht vor mir ein. Mit Ellie hätte ich sie mir gegriffen. Mit CRümel wünschte ich ihr nur  höllisch Übles unter dem Visier heraus. Solche Vollpfosten gibt es immer mal wieder: Schlangenlinien wegen Handybenutzung. Oder halt einfach Dummheit.

In Sickte knatterte eine sehr alte BMW an uns vorbei, während wir am Einbieger warteten. Die verfolgte ich dann bis zur Abzweige nach Cremlingen. Wir waren beide ziemlich deutlich im Örtchen zu hören.
Der Nicker vom BMW Fahrer und der Daumen hoch, als er dann weiterfuhr, ließen mich dann wieder grinsen.

Die geplanten Fotos waren auf dem Chip, und somit war die Mission erfolgreich gewesen. Die Schraubenkontrolle ergab, dass diesmal nichts gelockert war. Oder ich hatte nichts gefunden. Wir werden sehen.







 

Mittwoch, 26. September 2018

Technik und Pflege

Da das Batterie-Haltegummi so verrottet war, hatte ich mir in einem Rollerzubehör-Internetladen ein 12 cm langes Gummi mit Halteösen nachgekauft. Das paßte perfekt.


Das Tankpad von POLO (Carbon-Look, POLO Standard, 4 Rippen) wurde ebenso gestern angebracht. Dazu reinigte ich die Tankoberfläche im unteren Bereich (da, wo man gerne mit dem Hosenknopf gegenschubbert). Ich verwendete erst Glasreiniger, auf einem weichen Handtuch. Dann sprühte ich auf ein Wattepad etwas Visierreiniger, und wischte vorsichtig nach. Jetzt war die Stelle gut vorbereitet. Das Tank-Pad hatte ich die ganze Vorbereitungszeit über am Körper angewärmt. Manche sagen, man könne das nur bei 20 Grad Außentemperatur ankleben. Tja, da ist das Pad selber aber immer noch bretthart. So hatte es durch die Körperwärme von 36 Grad eine angenehm weiche Struktur. Das Verkleben war dann die Sache für sich. Einmal klebte ich es schief. Das kann vorkommen, wenn das Möff auf dem Seitenständer ist, und man irgendwie einen Knick in der Optik hat!

Ich löste es fluchend vorsichtig und probierte noch einmal. Dann strich ich die Oberfläche, mit einem weichen Tuch abgedeckt, von innen nach außen. Der Clou vons janze: während der ganzen Behandlung hatte ich einen Fön auf der Rückbank, der einen sanften warmen Luftstrom auf den Tank und somit auch das Pad schickte. Ich ließ den Fön nach dem erfolgten Verkleben noch weitere 10 Minuten pusten, und strich ab und an gerade die Ecken nach. Die lösen sich ja gerne wieder.
Bis jetzt klebt das Ding bombenfest. Ich bin zufrieden damit. Die Optik ist jetzt kein großer Stilbruch. Den Carbon-Look habe ich bei Ellie auch.

Beispielfoto - mein Pad ist eine Rippe kleiner

Dann hieß es, raus ins Gelände. Mit dem Standgas war ich immer noch nicht zufrieden. Ich fuhr zu meinem Schrauber des Vertrauens. Der würde wissen, wie das richtig eingestellt wird.

Diesmal liefen die Steigungen am Berg flüssiger, ich wußte jetzt, wann ich wie schalten muß.

Beim Schrauber gab es einen Grundcheck. Und das war auch gut so!
Siehe da: am Kupplungshebel - oben am Lenker - war eine Schraube lose, das sah er sofort. Weil die Gegenmutter fehlt. Das gleiche war leider unten am Seitenständer. Hier spart der Hersteller.

Es scheint absolut notwendig, so eine Schraubenkontrolle nach jeder! Fahrt zu machen.
Jedenfalls solange, bis ich die Verdächtigen gegen gute deutsche Wertarbeit ausgetauscht habe!

Das die Gummi-Schützlinge so vergammeln, ist wohl normal. Solche Kappen oder -Haltebänder made in China halten nie lange, so der Erfahrungswert in der Werkstatt. Der Gummistraps hatte mich 2,11 Euro gekostet (plus Porto), also nichts, was sich nicht regelmäßig machen ließe.

Das Licht wurde auch eingestellt. Es gibt keine Verstellschrauben wie bei Ellie. Hier wird in die vordere Verkleidung gegriffen, und die Lampenhalter einfach hoch- oder runtergebogen. Der Lampenschutz vorne ist aus Plastik, nicht aus Glas. Hier aufpassen beim Fliegen abputzen. Besser mit einem nassen Tuch vorweichen, sonst verkratzt es schnell und unreparierbar! 

Dann stellte der Schrauber mit einem Spezialwerkzeug oberhalb der Standgas-Schraube, ganz versteckt von unten zu erreichen (für Heimwerker ohne Spezialwerkzeug nicht machbar), noch etwas ein. Mischverhältnis (?). Der Motor lief nun deutlich ruhiger, bockte nicht mehr so.

Was bei der Kreidler unumgänglich ist, erfuhr ich, sind die Inspektionen und die Ölwechsel. Wer damit schludert, hat nicht lange etwas von der kleinen 125er. Da mein Schrauber in seiner Lehrzeit etliche Kreidler und Co. verarzten mußte, und sich somit mit den Macken und Krankheiten kleinerer Motörchen und deren Herstellern auskennt, vertraue ich seinen Künsten.

Der Auspuff ist mit zwei Federn gesichert/befestigt, da wird nichts vibrieren. Somit schenke ich mir auch das Zwischenfriemeln von Puffergummis.


Und was ich nicht wußte - und das Internet auch nicht - für ein Leichtkraftrad gibt es keine Reifenvorgaben. Ich kann da ALLES draufziehen, was ich lustig bin. Hauptsache, die Maße stimmen. Genial. Da werde ich richtig gute Wahl haben.

Der Reifendruck wurde angepaßt. 2 Bar vorne, 2,25 Bar hinten. Im Bordbuch steht 2,25 für beide Reifen - das wurde an die Realität angepaßt.



Ein Kunde wollte wissen, wer Kreidler jetzt wieder herstellt. Und nach der entsprechenden Info murmelte er im Hintergrund etwas wie "China-Plunder". 
Naja ... wenn man bedenkt, das die Chinesen überall auf den Markt drängen, und Europa einen anderen Standard verlangt als China ... und wenn man dann mal an den Abgas-Skandal von VW denkt ...

Ich habe ein nettes kleines Leichtkraftrad, welches hier und da Verbesserungen nötig hat. Aber ist das nicht bei allen Fahrzeugen so? Ellie, in Japan gebaut, hat auch ihre Besonderheiten beim Verschleiß. Aber auch die Ehemaligen wie die Florett, oder Herkules, brauchten ständig Aufmerksamkeiten. Oder denkt an all die Möffs aus der ehemaligen DDR. Schwalbe, Sperber, Spatz und wie die Modelle alle hießen. Da war nichts von Dauer, für die Ewigkeit. Und um ganz fies zu werden: Harley. Jedenfalls die alten Modelle ;-). Da gibt es von Holger Aue richtig aussagekräftige Comics zu ... "Zum Harley Treffen? Immer den verlorenen Schrauben nach fahren ...".

Ich merkte mir einen Inspektionstermin vor - im November. Dann gibt es eine gute Erstversorgung.

Nachdenklich verließ ich die Werkstatt. Jetzt mußte ich mich mit positiven Gedanken ablenken. Es ging auf eine Hausrunde. CRümel schnurrte jetzt deutlich ruhiger. Die Sonne kam vor, und ich genoß meinen kleinen lautstarken Ausritt. Das Gute an so einem Einzylinder: die Rennrad-Terroristen HÖREN einen jetzt ankommen, und meistens machen sie brav Platz an den Fahrbahn-Rand. Ansonsten schalte ich halt in den vierten Gang zurück und dröhne noch einmal absichtlich. Das fetzt!

Motorbremse machen ist nicht immer eine gute Idee. Wenn ich eine zu hohe Geschwindigkeit hatte, hopst CRümel auf der Straße. Okay, da muß ich mich dran gewöhnen. CRümel ist nicht Ellie. 11 PS gegen 50 PS.



Was den Sound angeht - da geht noch was. Aber momentan bin ich damit schon mehr als zufrieden. Die Problematik mit den Schrauben behalte ich im Auge, bzw. tausche sie Stück für Stück gegen bessere aus.

Ölwechsel - 10W40, 1 Liter - ist jetzt nicht unbezahlbar. Inspektion und Durchsicht hätte ich bei einem großen Motorrad auch gemacht. Besonders dann, wenn ich wie hier eine Maschine kaufe, die längere Zeit gestanden hat. Da ist es schon von Vorteil, die Flüssigkeiten auszutauschen und die Verschleißteile zu überprüfen!

Keep on rolling, folks!


Eine lustige Beobachtung zum Schluß: manche Motorradfahrer wissen nicht, ob sie grüßen sollten oder nicht. Bei einigen zuckte die Hand raus, um dann gleich wieder an den Lenker geparkt zu werden. Wenn ich dann Gas gebe und CRümel mit lautstarkem Geknörre vorbei rasselt, guckt doch der eine oder andere in den Rückspiegel. Hihi ...

Montag, 24. September 2018

Fahrbericht

22.9.2018 - Samstag - Tag der ersten Ausfahrt

Von 10 bis 12 Uhr war ich an der Garage. Letzter Check bei Tageslicht. Außerdem: Hinterrad komplett säubern. Kette reinigen, neu einsprühen mit dem abschleuderfreien Kettenfett. Prima Sache, gibt es bei POLO zu erstehen. Bringt wirklich saubere Felgen!

Die Lackierung ist bis auf kleine Schönheitsfehler gut gelungen. Kaum Lacknasen zu erblicken. Der Stahlrohrrahmen ist glänzend schwarz lackiert - kleine abgeschlagene Stellen ließen sich gut mit dem Lackstift 'BMW schwarz glänzend' reparieren. Als Notlösung geht auch schwarzer Nagellack, aber den haben viele Männer nicht immer im Regal ;-).

Das Säubern des Rades hinten war mühsam. Svenja von Svendura wird das kennen: Motorräder ohne Hauptständer fordern up-and-down Körpereinsatz vom Besitzer, wenn es an die Hinterradpflege geht. Der Kauf eines Montageständers rückte auf den allerersten Platz meiner "Muß ich unbedingt noch haben!"-Kaufliste. Ich bin zu alt für so einen unbequemen Scheiß!

Nachdem ich mir das äußere Glied meines linken Mittelfingers, direkt am Nagelansatz, erfolgreich schmerzversprechend im Anschlagbolzen geklemmt hatte, weiß ich dieses komische vorstehende Metallteil vorne an der Gabel auch einzuordnen. Mein Tipp: beim Reinigen nicht den Finger dazwischen tun.
Kleine Nachbesserungen werde ich noch machen. Der Auspuff ist z.B. stumpf an den Rahmen angeschraubt. Da kommt ein Gummipuffer zwischen. Den Hinweis fand ich im Motor Talk Forum.



In einem Fahrbericht über die CR las ich, dass sie keinen Choke hat. Stimmt bei meinem Modell nicht. Da ist ein schwarzes Hebelchen direkt gegenüber vom Benzinhahn.


Stichwort Benzinhahn: da stand nix dran, wo On und wo Off ist. Später kam ich dann dank Google darauf.  
Hebel oben : Reserve
Hebel waagerecht : Geschlossen
Hebel unten : Offen
Kurzzeitig hatte ich mich von der Aufschrift FUEL (zu deutsch: Kraftstoff) verwirren lassen. Die Aufschrift FUEL heißt aber nur, dass aus dem Hahn selbiger kommt.

Wenn man ganz genau hinschaut, zeigt der Pfeil nach unten. Auf dem Macrofoto wird deutlich: keine weitere Kennzeichnung. Schon etwas sehr spärlich gehalten, die Infos. Da gibt Ellies Benzinhahn Anzeige mehr her!

Der Start
Ohne Choke kein Laufen. Ohne Kupplung ziehen kein Laufen. Ohne Ständer einklappen kein Laufen.
Der Sound aus dem Stahlrohrauspuff ist erstaunlich. Er klingt dumpf und kernig und lauter, als man bei so einer kleinen Maschine erwarten würde.
 
Der Ganghebel saß zu hoch. Ich mußte den Fuß von der Raste anheben. Die Kupplung läßt sich leicht ziehen, und der Winkel zu meiner Hand paßte wie für mich gemacht.

Die Fahrt
Was mir sofort auffiel: die Vibrationen der kleinen Maschine sind kräftig. Da sie mir ständig ausging ohne den Choke, gab ich sowas wie Zwischengas. Da müßte sich doch was machen lassen - Standgas erhöhen o.ä. (ging auch, dazu später).
Der erste Gang ist nett, aber bringt kaum Leistung. Ich tuckerte zum Kennenlernen eine Runde durch den Ort. Weia, ein Anzug wie 'ne Schnecke. Erst bei 50 km/h und im vierten Gang lief sie. In den Kurven war sie wendig, da kam ich prima mit klar. Die Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig. Die Sitzbank ist bretthart. Ich bin vom Air Hawk Luftkissen verwöhnt. Ein Pendent dazu ist bei der Tante bestellt. Bericht folgt.

Nun traute ich mich den Weddeler Berg hoch. Uff, was für ein Unterschied zu Ellie. Zum Glück war kein PKW hinter mir und jagte mich. Über den Hang rüber, kam CRümelchen auf gute 80 km/h. Mehr traute ich mich nicht, das Motörchen will ja erst noch eingefahren werden!

Mit Rückblick war da nicht viel. Zum einen sind die Spiegelarme viel zu kurz, zum anderen vibrierten die Spiegel, dass der Blick nach hinten wie unter Drogen abging.

So fuhr ich recht ungeschickt zur Tankstelle.

Abschließbarer Tankdeckel ohne Halterung. Das Prinzip muß man erst einmal kapieren! Als ich den Deckel ab hatte, trudelte er auch gleich zur Seite weg. Ich konnte den Bodenkontakt gerade noch verhindern, indem ich beherzt zugriff. Dafür stinkt mein Handschuh jetzt nach Sprit.
Zum Tanken kam ich erst einmal gar nicht. Ein älterer Herr trat an uns heran und redete mit leuchtenden Augen auf mich ein. "Junger Mann! Junger Mann! Oh ... äh junge Frau! Sagen Sie, wird die (zeigt auf CRümel) jetzt wieder hergestellt??? Oder ist die restauriert? Wie alt ist die denn?" und er erging sich in begeisterter Rede über seine Jugend, seine -Sünden, seine Erfahrungen mit der Legendären (aka Florett).

Wie war das noch?
Zitat: "Zwischenmenschlich wird es mit dieser Kreidler sicher keine Kontaktprobleme geben, denn die Optik zieht die Menschenmassen magisch an, Sprüche wie: „Ey die habe ich früher auch gefahren“ oder „Kreidler? Die gibt es noch?“ sind euch auf jeden Fall sicher. Auch dass diese Maschine geil aussieht werdet ihr wohl öfter hören, so ist es mir auf jeden Fall ergangen. Die älteren Motorradfahrer erzählen euch so wie ich auch einen Schwank aus ihrer Jugend, auch das Kreidler damals die schnellsten 50er gebaut hat, was durch den Geschwindigkeitsrekord von 1965 zusätzlich unterstrichen wird. Der Werksfahrer Rudolf Kunz fuhr in einer speziell entwickelten 50 ccm Rennmaschine auf einem Salzsee in Utah mit 15 PS (15.000 upm) sensationelle 210,634 km/h schnell !!! " (aus: Fahrtest Kreidler

Dann strich der Herr noch ganz verklärt über das Kreidler-Emblem, und wünschte uns Allzeit ganz viel Spaß.


Das die HEM Tanke im Firmenoutfit die gleichen Farben wie die Kreidler-Modelle hat, werte ich als gutes Omen

Ich tankte, und nach Blick auf die Säule war mir klar, dass der Tank fast voll gewesen war. Das Reinfriemeln vom Tankdeckel war noch ungewohnt. Schlüssel nach oben rechts drehen, dann läßt er sich auch problemlos herausziehen.



Beim Wegfahren schauten uns mehrere Personen nach. Wohl auch, weil CRümel mir immer wieder absoff. Also nochmal den Choke ziehen, und draußen lassen.

Ich wählte eine ruhige Strecke unserer Hausrunde. Es ging durch kleine Wäldchen und kurvenreiche Dorfdurchfahrten. Das Licht ist der Hammer - ich sah richtig was von der Straße vor mir. Durch die gefakte Rennverkleidung vorne sah ich das Vorderrad nicht. Es bereitete mir wider Erwarten keinen Stress.
Die kleine Kreidler lag fantastisch in der Schräge. Kurven machten mir auf einmal richtig Spaß! Erst nach ungefähr 20 Kilometern traute ich mich, den Choke auf Off zu stellen. Das Motörchen blubberte kaum hörbar und hustete von Zeit zu Zeit. Standgas Schraube höher drehen, unbedingt.

Ich holperte über das Kopfsteinpflaster von Groß Vahlberg - die Stoßdämpfer sind deutlich härter als bei Ellie, aber erstaunlich 'schluckfreudig', ich hatte ein sicheres Gefühl auf der Sitzbank und wurde nicht wie befürchtet in den Himmel katapultiert. Wir fuhren in die Asse. Mittlerweile hatte ich kapiert, wann ich wie Gas zu geben hatte, und das der erste Gang nicht wirklich mit Leistung protzen kann. Wenn ich den Blinker ausdrückte, schaltete ich immer das Fernlicht an. Die Schalter liegen noch ungewohnt zusammen. Der Fernlichtschalter ist butterweich zu betätigen. Bei Ellie muß ich schon mit deutlich mehr Kraft drücken.

Um zügig voran zu kommen, mußte ich die Gänge auch zügig hochschalten. Bis zum Drehzahlbegrenzer hochjubeln brachte mir beim Vorankommen keinen Vorteil. Außerdem wollte ich dem frischen Motor keine Quälerei zumuten. Ich blieb bei der im Bordbuch empfohlenen 80% Leistungsabnahme. Bei 60 km/h im vierten Gang waren die Vibrationen für mich erträglich. Darüber hinaus wurde es dann wieder stupsig. Wer kitzelig an den Fußsohlen ist, dürfte sich hier gefoltert fühlen. Das höchste, was ich CRümel auf der ersten längeren Testfahrt zumutete, waren 90 km/h. Bei deutlichem Seitenwind merkte ich das Versetzen des Maschinchens. Klar, bei einem Gewicht von (getankt) knapp 140 Kilo trudelt man anders als auf der schweren Kawa (210 Kilo).

Die Bremsen gefielen mir sehr gut. Nun hatte ich nicht gleich eine Panikbremse veranstaltet, aber das Anbremsen vor Kurven oder Einmündungen zeigte mir: moderne Technik und gut zu dosieren.

Die Ganganzeige ist noch zickig. Mal geht der Leerlauf rein (grünes Licht mit N), mal bleibt das entsprechende Fensterchen dunkel. Hier werde ich mal überprüfen, wie das Kabel befestigt ist. Eventuell ist da etwas gelockert.  

Der linke Außenspiegel hatte sich lose gerüttelt, aber mit so etwas rechnete ich. Das kommt bei Ellie auch hin und wieder vor.

Die Sitzposition auf CRümel machte sich bemerkbar - ich fühlte eine gewisse Steifigkeit im Lendenwirbelbereich. Nach etwa 50 Kilometern Jungfernfahrt kamen CRümel und ich beim Zettfahrer an.




Das Kennzeichen saß bombenfest. Als ich bei einer zu knappen Runde um das Heck dagegen rannte, federte es nur gehässig nach.

Jetzt ging es an kleine Veränderungen. Der Zettfahrer stellte den Schalthebel der Kupplung um einen  Zahn nach unten, und die Position paßte perfekt. Dann beäugten wir auf der anderen Seite den Vergaser, und fanden auch die passende Schraube. Da ich sie später mit dem Fingernagel drehen konnte, wird wohl ein Klecks Siegellack nötig sein, damit sie sich nicht lose nudelt.

  
CRümel war fast kalt. Ich startete den Motor, und der Zettfahrer drehte an der Schraube. Jetzt tuckerte der Motor im Leerlauf runder vor sich hin, ohne sofort abzusaufen.

Rückfahrt 
Das erste Mal, seit wir zusammen fuhren, hörte ich die gelbe Zett nicht mehr. CRümel hatte genug Eigengeräusch. Bei einer Check-Pause gab der Zettfahrer sein Feedback. Ich würde mit der Kreidler fahren, als hätte ich nie eine andere Maschine gehabt. Ich würde deutlich zügiger in den Kurven unterwegs sein, mit mehr Schräglage. Außerdem würde er das erste Mal HÖREN, das ich auf einem Zweirad unterwegs war. Ellie flüsterte, und die Kreidler knöddelte schon recht markant. Was unser Fahrtempo anging: wir wären genauso unterwegs, als wenn ich mit Ellie fahren würde.

Das die Kurven leichter gingen, hatte ich selbst schon festgestellt. Mich verwirrten die deutlichen Vibrationen aber noch sehr. Der Hinweis vom Zettfahrer und von Steven (dem Mofa Präsi), ich wäre ja auch mit einem EINzylinder unterwegs - da muß das so! - beruhigte mich dann.

Nach einhundert Fahrkilometern machten wir Pause beim Ziebart Bäcker in Sickte. Auch hier folgten uns Blicke wegfahrender PKW-Fahrer.

Das mein Heck breiter als die Sitzbank ist, frustrierte mich dann doch sehr. Zum Glück sehe ich mich nicht so häufig von hinten. Der Zettfahrer bekam Fotoverbot. Für Heckfotos.
 
Von der Treppe aus von oben fotografiert, sah die Situation dann auch nicht besser aus. Grumpf ... Cone-Head ...

Für mich gab es heißen Kakao, und für den Zettfahrer natürlich Kaffee. Wir besprachen unsere Rücktour. Bei nächster Gelegenheit wird Zetti die Kreidler fahren. Dann werden wir unsere Erfahrungen vergleichen.
Zum Glück haben wir begeisterte Schrauber in unserem Bekanntenkreis. Sollte sich etwas an den Vibrationen verbessern lassen, würden sie die kleine Kreidler mit Begeisterung auseinander nehmen und optimieren.

Mein Fazit der ersten Ausfahrt:
Auf der Autobahn würde ich mich nicht wirklich wohl fühlen. Sicherlich kommt der Motor bei entsprechendem Einfahren auf über 100 km/h. Aber die Silhouette der kleinen Maschine ist doch sehr schmal (bis auf mein Heck *grumpf*). Und somit würden wir dann nicht wirklich für voll genommen werden von den motorisierten Vierrädern.
Die Kreidler Dice CR125 ist kein Sportler, aber auch keine lahme Krücke. Wer die Hatz liebt, kauft hier verkehrt. Wer gerne in der Stadt bzw. auf dem Land unterwegs ist und stressfrei sowie auch relativ gemütlich ankommen will, der ist mit der Kreidler bestens bedient.
 
Sobald ich weitere Fahrten gemacht habe, wird auch darüber weiter berichtet.

Ich habe zwei Tage nach der Testfahrt immer noch Muskelkater im Kreuz. Da müssen sich erst entsprechende Muskeln bilden, die mir weiterhelfen. Eventuell ist jetzt auch wieder der Einsatz des Nierengurtes nötig. Ich werde berichten!
   

Nachtrag:
Das Wild-Ass-Luft-Sitzkissen von Tante L. ist in der schmalen Variante nicht schlecht, wenn denn das Ventil nicht wäre. Das ist so bescheiden angebracht, dass man ständig drauf herum juckelt. Ventil zu weit außen, zu groß, und zu schlecht montiert. Fazit: zurück. Schade drum!

Nachtrag #2:
Mit Nierengurt und Training ist die Muskulatur gestärkter, und der Rücken nicht mehr so geplagt. Durch die mehr nach vorne geneigte Sitzposition ist die Straße verstärkt im Blick. Ich mache deutlich seltener den Landschafts-Guck. Evtl. pendelt sich das noch ein. Immer im Hinterkopf schwebt mir der Spruch "Guckst du scheiße, fährst du scheiße" vom Schräglagentraining. Landschaftsguck kann auch fatal werden ... zur Seite gucken, zur Seite lenken - nicht gut. Wirklich nicht gut ...