Von 10 bis 12 Uhr war ich an der Garage. Letzter Check bei Tageslicht. Außerdem: Hinterrad komplett säubern. Kette reinigen, neu einsprühen mit dem abschleuderfreien Kettenfett. Prima Sache, gibt es bei POLO zu erstehen. Bringt wirklich saubere Felgen!
Die Lackierung ist bis auf kleine Schönheitsfehler gut gelungen. Kaum Lacknasen zu erblicken. Der Stahlrohrrahmen ist glänzend schwarz lackiert - kleine abgeschlagene Stellen ließen sich gut mit dem Lackstift 'BMW schwarz glänzend' reparieren. Als Notlösung geht auch schwarzer Nagellack, aber den haben viele Männer nicht immer im Regal ;-).
Das Säubern des Rades hinten war mühsam. Svenja von Svendura wird das kennen: Motorräder ohne Hauptständer fordern up-and-down Körpereinsatz vom Besitzer, wenn es an die Hinterradpflege geht. Der Kauf eines Montageständers rückte auf den allerersten Platz meiner "Muß ich unbedingt noch haben!"-Kaufliste. Ich bin zu alt für so einen unbequemen Scheiß!
Nachdem ich mir das äußere Glied meines linken Mittelfingers, direkt am Nagelansatz, erfolgreich schmerzversprechend im Anschlagbolzen geklemmt hatte, weiß ich dieses komische vorstehende Metallteil vorne an der Gabel auch einzuordnen. Mein Tipp: beim Reinigen nicht den Finger dazwischen tun.
Kleine Nachbesserungen werde ich noch machen. Der Auspuff ist z.B. stumpf an den Rahmen angeschraubt. Da kommt ein Gummipuffer zwischen. Den Hinweis fand ich im Motor Talk Forum.
In einem Fahrbericht über die CR las ich, dass sie keinen Choke hat. Stimmt bei meinem Modell nicht. Da ist ein schwarzes Hebelchen direkt gegenüber vom Benzinhahn.
Stichwort Benzinhahn: da stand nix dran, wo On und wo Off ist. Später kam ich dann dank Google darauf.
Hebel oben : Reserve
Hebel waagerecht : Geschlossen
Hebel unten : Offen
Kurzzeitig hatte ich mich von der Aufschrift FUEL (zu deutsch: Kraftstoff) verwirren lassen. Die Aufschrift FUEL heißt aber nur, dass aus dem Hahn selbiger kommt.
Wenn man ganz genau hinschaut, zeigt der Pfeil nach unten. Auf dem Macrofoto wird deutlich: keine weitere Kennzeichnung. Schon etwas sehr spärlich gehalten, die Infos. Da gibt Ellies Benzinhahn Anzeige mehr her!
Der Start
Ohne Choke kein Laufen. Ohne Kupplung ziehen kein Laufen. Ohne Ständer einklappen kein Laufen.
Der Sound aus dem Stahlrohrauspuff ist erstaunlich. Er klingt dumpf und kernig und lauter, als man bei so einer kleinen Maschine erwarten würde.
Der Ganghebel saß zu hoch. Ich mußte den Fuß von der Raste anheben. Die Kupplung läßt sich leicht ziehen, und der Winkel zu meiner Hand paßte wie für mich gemacht.
Die Fahrt
Was mir sofort auffiel: die Vibrationen der kleinen Maschine sind kräftig. Da sie mir ständig ausging ohne den Choke, gab ich sowas wie Zwischengas. Da müßte sich doch was machen lassen - Standgas erhöhen o.ä. (ging auch, dazu später).
Der erste Gang ist nett, aber bringt kaum Leistung. Ich tuckerte zum Kennenlernen eine Runde durch den Ort. Weia, ein Anzug wie 'ne Schnecke. Erst bei 50 km/h und im vierten Gang lief sie. In den Kurven war sie wendig, da kam ich prima mit klar. Die Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig. Die Sitzbank ist bretthart. Ich bin vom Air Hawk Luftkissen verwöhnt. Ein Pendent dazu ist bei der Tante bestellt. Bericht folgt.
Nun traute ich mich den Weddeler Berg hoch. Uff, was für ein Unterschied zu Ellie. Zum Glück war kein PKW hinter mir und jagte mich. Über den Hang rüber, kam CRümelchen auf gute 80 km/h. Mehr traute ich mich nicht, das Motörchen will ja erst noch eingefahren werden!
Mit Rückblick war da nicht viel. Zum einen sind die Spiegelarme viel zu kurz, zum anderen vibrierten die Spiegel, dass der Blick nach hinten wie unter Drogen abging.
So fuhr ich recht ungeschickt zur Tankstelle.
Abschließbarer Tankdeckel ohne Halterung. Das Prinzip muß man erst einmal kapieren! Als ich den Deckel ab hatte, trudelte er auch gleich zur Seite weg. Ich konnte den Bodenkontakt gerade noch verhindern, indem ich beherzt zugriff. Dafür stinkt mein Handschuh jetzt nach Sprit.
Zum Tanken kam ich erst einmal gar nicht. Ein älterer Herr trat an uns heran und redete mit leuchtenden Augen auf mich ein. "Junger Mann! Junger Mann! Oh ... äh junge Frau! Sagen Sie, wird die (zeigt auf CRümel) jetzt wieder hergestellt??? Oder ist die restauriert? Wie alt ist die denn?" und er erging sich in begeisterter Rede über seine Jugend, seine -Sünden, seine Erfahrungen mit der Legendären (aka Florett).
Wie war das noch?
Zitat: "Zwischenmenschlich wird es mit dieser Kreidler sicher keine Kontaktprobleme geben, denn die Optik zieht die Menschenmassen magisch an, Sprüche wie: „Ey die habe ich früher auch gefahren“ oder „Kreidler? Die gibt es noch?“ sind euch auf jeden Fall sicher. Auch dass diese Maschine geil aussieht werdet ihr wohl öfter hören, so ist es mir auf jeden Fall ergangen. Die älteren Motorradfahrer erzählen euch so wie ich auch einen Schwank aus ihrer Jugend, auch das Kreidler damals die schnellsten 50er gebaut hat, was durch den Geschwindigkeitsrekord von 1965 zusätzlich unterstrichen wird. Der Werksfahrer Rudolf Kunz fuhr in einer speziell entwickelten 50 ccm Rennmaschine auf einem Salzsee in Utah mit 15 PS (15.000 upm) sensationelle 210,634 km/h schnell !!! " (aus: Fahrtest Kreidler)
Dann strich der Herr noch ganz verklärt über das Kreidler-Emblem, und wünschte uns Allzeit ganz viel Spaß.
Das die HEM Tanke im Firmenoutfit die gleichen Farben wie die Kreidler-Modelle hat, werte ich als gutes Omen
Ich tankte, und nach Blick auf die Säule war mir klar, dass der Tank fast voll gewesen war. Das Reinfriemeln vom Tankdeckel war noch ungewohnt. Schlüssel nach oben rechts drehen, dann läßt er sich auch problemlos herausziehen.
Beim Wegfahren schauten uns mehrere Personen nach. Wohl auch, weil CRümel mir immer wieder absoff. Also nochmal den Choke ziehen, und draußen lassen.
Ich wählte eine ruhige Strecke unserer Hausrunde. Es ging durch kleine Wäldchen und kurvenreiche Dorfdurchfahrten. Das Licht ist der Hammer - ich sah richtig was von der Straße vor mir. Durch die gefakte Rennverkleidung vorne sah ich das Vorderrad nicht. Es bereitete mir wider Erwarten keinen Stress.
Die kleine Kreidler lag fantastisch in der Schräge. Kurven machten mir auf einmal richtig Spaß! Erst nach ungefähr 20 Kilometern traute ich mich, den Choke auf Off zu stellen. Das Motörchen blubberte kaum hörbar und hustete von Zeit zu Zeit. Standgas Schraube höher drehen, unbedingt.
Ich holperte über das Kopfsteinpflaster von Groß Vahlberg - die Stoßdämpfer sind deutlich härter als bei Ellie, aber erstaunlich 'schluckfreudig', ich hatte ein sicheres Gefühl auf der Sitzbank und wurde nicht wie befürchtet in den Himmel katapultiert. Wir fuhren in die Asse. Mittlerweile hatte ich kapiert, wann ich wie Gas zu geben hatte, und das der erste Gang nicht wirklich mit Leistung protzen kann. Wenn ich den Blinker ausdrückte, schaltete ich immer das Fernlicht an. Die Schalter liegen noch ungewohnt zusammen. Der Fernlichtschalter ist butterweich zu betätigen. Bei Ellie muß ich schon mit deutlich mehr Kraft drücken.
Um zügig voran zu kommen, mußte ich die Gänge auch zügig hochschalten. Bis zum Drehzahlbegrenzer hochjubeln brachte mir beim Vorankommen keinen Vorteil. Außerdem wollte ich dem frischen Motor keine Quälerei zumuten. Ich blieb bei der im Bordbuch empfohlenen 80% Leistungsabnahme. Bei 60 km/h im vierten Gang waren die Vibrationen für mich erträglich. Darüber hinaus wurde es dann wieder stupsig. Wer kitzelig an den Fußsohlen ist, dürfte sich hier gefoltert fühlen. Das höchste, was ich CRümel auf der ersten längeren Testfahrt zumutete, waren 90 km/h. Bei deutlichem Seitenwind merkte ich das Versetzen des Maschinchens. Klar, bei einem Gewicht von (getankt) knapp 140 Kilo trudelt man anders als auf der schweren Kawa (210 Kilo).
Die Bremsen gefielen mir sehr gut. Nun hatte ich nicht gleich eine Panikbremse veranstaltet, aber das Anbremsen vor Kurven oder Einmündungen zeigte mir: moderne Technik und gut zu dosieren.
Die Ganganzeige ist noch zickig. Mal geht der Leerlauf rein (grünes Licht mit N), mal bleibt das entsprechende Fensterchen dunkel. Hier werde ich mal überprüfen, wie das Kabel befestigt ist. Eventuell ist da etwas gelockert.
Der linke Außenspiegel hatte sich lose gerüttelt, aber mit so etwas rechnete ich. Das kommt bei Ellie auch hin und wieder vor.
Die Sitzposition auf CRümel machte sich bemerkbar - ich fühlte eine gewisse Steifigkeit im Lendenwirbelbereich. Nach etwa 50 Kilometern Jungfernfahrt kamen CRümel und ich beim Zettfahrer an.
Das Kennzeichen saß bombenfest. Als ich bei einer zu knappen Runde um das Heck dagegen rannte, federte es nur gehässig nach.
Jetzt ging es an kleine Veränderungen. Der Zettfahrer stellte den Schalthebel der Kupplung um einen Zahn nach unten, und die Position paßte perfekt. Dann beäugten wir auf der anderen Seite den Vergaser, und fanden auch die passende Schraube. Da ich sie später mit dem Fingernagel drehen konnte, wird wohl ein Klecks Siegellack nötig sein, damit sie sich nicht lose nudelt.
CRümel war fast kalt. Ich startete den Motor, und der Zettfahrer drehte an der Schraube. Jetzt tuckerte der Motor im Leerlauf runder vor sich hin, ohne sofort abzusaufen.
Rückfahrt
Das erste Mal, seit wir zusammen fuhren, hörte ich die gelbe Zett nicht mehr. CRümel hatte genug Eigengeräusch. Bei einer Check-Pause gab der Zettfahrer sein Feedback. Ich würde mit der Kreidler fahren, als hätte ich nie eine andere Maschine gehabt. Ich würde deutlich zügiger in den Kurven unterwegs sein, mit mehr Schräglage. Außerdem würde er das erste Mal HÖREN, das ich auf einem Zweirad unterwegs war. Ellie flüsterte, und die Kreidler knöddelte schon recht markant. Was unser Fahrtempo anging: wir wären genauso unterwegs, als wenn ich mit Ellie fahren würde.
Das die Kurven leichter gingen, hatte ich selbst schon festgestellt. Mich verwirrten die deutlichen Vibrationen aber noch sehr. Der Hinweis vom Zettfahrer und von Steven (dem Mofa Präsi), ich wäre ja auch mit einem EINzylinder unterwegs - da muß das so! - beruhigte mich dann.
Nach einhundert Fahrkilometern machten wir Pause beim Ziebart Bäcker in Sickte. Auch hier folgten uns Blicke wegfahrender PKW-Fahrer.
Das mein Heck breiter als die Sitzbank ist, frustrierte mich dann doch sehr. Zum Glück sehe ich mich nicht so häufig von hinten. Der Zettfahrer bekam Fotoverbot. Für Heckfotos.
Von der Treppe aus von oben fotografiert, sah die Situation dann auch nicht besser aus. Grumpf ... Cone-Head ...
Für mich gab es heißen Kakao, und für den Zettfahrer natürlich Kaffee. Wir besprachen unsere Rücktour. Bei nächster Gelegenheit wird Zetti die Kreidler fahren. Dann werden wir unsere Erfahrungen vergleichen.
Zum Glück haben wir begeisterte Schrauber in unserem Bekanntenkreis. Sollte sich etwas an den Vibrationen verbessern lassen, würden sie die kleine Kreidler mit Begeisterung auseinander nehmen und optimieren.
Mein Fazit der ersten Ausfahrt:
Auf der Autobahn würde ich mich nicht wirklich wohl fühlen. Sicherlich kommt der Motor bei entsprechendem Einfahren auf über 100 km/h. Aber die Silhouette der kleinen Maschine ist doch sehr schmal (bis auf mein Heck *grumpf*). Und somit würden wir dann nicht wirklich für voll genommen werden von den motorisierten Vierrädern.
Die Kreidler Dice CR125 ist kein Sportler, aber auch keine lahme Krücke. Wer die Hatz liebt, kauft hier verkehrt. Wer gerne in der Stadt bzw. auf dem Land unterwegs ist und stressfrei sowie auch relativ gemütlich ankommen will, der ist mit der Kreidler bestens bedient.
Sobald ich weitere Fahrten gemacht habe, wird auch darüber weiter berichtet.
Ich habe zwei Tage nach der Testfahrt immer noch Muskelkater im Kreuz. Da müssen sich erst entsprechende Muskeln bilden, die mir weiterhelfen. Eventuell ist jetzt auch wieder der Einsatz des Nierengurtes nötig. Ich werde berichten!
Nachtrag:
Das Wild-Ass-Luft-Sitzkissen von Tante L. ist in der schmalen Variante nicht schlecht, wenn denn das Ventil nicht wäre. Das ist so bescheiden angebracht, dass man ständig drauf herum juckelt. Ventil zu weit außen, zu groß, und zu schlecht montiert. Fazit: zurück. Schade drum!
Nachtrag #2:
Mit Nierengurt und Training ist die Muskulatur gestärkter, und der Rücken nicht mehr so geplagt. Durch die mehr nach vorne geneigte Sitzposition ist die Straße verstärkt im Blick. Ich mache deutlich seltener den Landschafts-Guck. Evtl. pendelt sich das noch ein. Immer im Hinterkopf schwebt mir der Spruch "Guckst du scheiße, fährst du scheiße" vom Schräglagentraining. Landschaftsguck kann auch fatal werden ... zur Seite gucken, zur Seite lenken - nicht gut. Wirklich nicht gut ...









Wo sitzt denn das Ventil beim WildAss-Kissen? Auch dort wo es beim AirHawk sitzt? Also hinten am Ende? Bild siehe in meinem Blog, etwa in der Mitte der Seite.
AntwortenLöschenhttps://www.600ccm.info/1/180707/Airhawk_2_Sitzkissen
Nein, leider nicht da, wo es beim AirHawk sitzt. Sondern eher "übers Eck" angebracht. Somit (bei der schmalen, kleinen Ausführung) unbrauchbar. Die Luftkammern sind einfach nicht genug, das man - egal wie man herumrutscht - immer auf dem Ventil sitzt. Evtl. ist es bei der größeren Variante vom Ass anders. Bei der kleinen, schmalen war es jedenfalls unbrauchbar.
AntwortenLöschenDas Verrutschen ist mir beim AirHawk so nie aufgefallen, weil meine Sitzbank einen Absatz nach hinten hat. Dadurch wird das Breitarschkissen (AirHawk) bestens positioniert :-)