Endlich
bot sich mal wieder eine Gelegenheit. Wobei das auch nicht ganz korrekt
ist. Die Gelegenheiten waren schon öfter mal da gewesen, in diesem
"Winter" 2020. Aber Gelegenheiten und Körperliches passen nicht immer
zusammen. Rücken, Bronchien, innere Lustlosigkeit verhindern das schon
ab und an ...
Da
der Joghurtbecher vom Zettfahrer im Krankenhaus war, seine Zettis bis
April noch schlummern, mußte ich mir also allein den Tritt verpassen.
Nachdem Ellies Batterieleistung-im-Ruhemodus mal wieder auf unter
fünfzig Prozent abgesunken war und das Aufladen bekanntlich etwas
dauert, entstaubte ich die kleine Kreidler. Das Anlassen der weiterhin
gut erhaltenen Batterie verlief etwas schwergängig. Und ohne den Choke
wollte die kleine 125er so gar nicht an bleiben. Ein Dreh an der
Standgasschraube brachte dann eine Verbesserung!
Tags
zuvor hatte ich einen Reservekanister befüllt, der jetzt in den Tank
vom CRümel wanderte. Diesmal ohne nennenswerte Schäden durch
Vorbeikleckern. Geübt ...
Dann
plünnte ich mich an - und oh Wunder: die Textilhose paßte wieder. Mit
langer Unterbüx und ohne Winterfutter zwar nur, aber schon deutlich
bequemer als noch vor einem Jahr. Medikamente und ständige Übelkeit sind
also nicht immer totaler Scheiß. Man nimmt ab. Nachahmung nicht
empfohlen ;-).
Erst
fuhr ich eine kleine Dorfrunde, damit sich das Motörchen erwärmt und
auch ohne den Choke ein Fahren möglich ist. Nach so langer Standzeit
ging ich auf Nummer Sicher. Nichts ist so ätzend, wie an einer
Querstraße anzuhalten, das Möppi geht aus und nicht wieder an wegen
abgesoffen/zu muckelig/kein Bock den warmen Stall zu verlassen etc.
Ätzend wegen der nervigen Dosenfahrer hinter mir, wohlgemerkt.
Nachdem
die Kreidler dann im Standgas brav vor sich hin tickte, ging es auf die
Hauptstraße. Der Wind war ziemlich böig, 65 km/h fegten je nach Lust
und Laune über das Land. Gut, das ich ein Eigengewicht habe. Das
Maschinchen ansich ist mit seinen mageren 130 Kilo ein Schleuderball der
Elemente.
Ich
sah zunächst kein einziges anderes motorisiertes Zweirad. Dann kam mir
auf dem Weg nach Sickte eine Harley entgegen. Nix Gruß. Einige Autos
überholten mich sehr knapp, von Sicherheitsabstand beim Einscheren
kannten die nichts. An der nächsten Ampel hatte ich sie dann wieder. In
Erkerode bog ich ab Richtung Asse. Der CRümel lief wieder richtig gut.
Bei 80 km/h hielt ich locker die Spur. Mit Sonne von vorne war es schön,
und ich merkte, wie die alte Faszination wieder angeschlichen kam!
Ein kurzer Stopp für ein Foto.
Mit 4807,6 Kilometern auf dem Tacho bin ich also in die Märzsaison gestartet.
An
der Asse hatte es geregnet. Dank der Windböen war die Straße zum großen
Teil abgetrocknet. Ich fuhr zum nächsten Ort, bog rechts ab und fuhr
dann in Richtung Reitlingstal weiter. Da wenig Verkehr war, und
Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 wegen der Krötenwanderung, fuhr ich
rein in das Naherholungsgebiet.
Das
Ausflugslokal schien gut gefüllt, wenn man nach den Autos auf dem
Parkplatz ging! Ich tuckerte so ruhig und langsam wie möglich an zwei
Reitern vorbei, die sich freundlich winkend bei mir bedankten. Oben
angekommen, war mir das aber doch zu voll, und ich kehrte wieder um.
Mal
sehen, ob ich am Tetzelstein, dem Torfhaus-für-Arme, etwas tat. Am
Wegrand lagen noch Schneereste. Huch? Schnee hatte ich in diesem Winter
nur auf den Fotos im Internet gesehen!
Ich
fuhr um eine Kurve und in der Ferne sprang etwas auf die Straße:
Laserkontrolle. Pöh - grinsend und mit links winkend öddelte ich am
Fahrzeug vorbei. Die Kollegin des Jedi-Ritters winkte grinsend zurück.
Dann
war ich beim Treff angekommen. Da die Seitenstreifen aufgewühlt und
zerfahren waren, fuhr ich direkt zum Eingang. Später erfuhr ich von
einem Gespannfahrer, dass die Biker gerne eine Seitenzufahrt nutzen
durften, und somit fast direkt an der Gaststätte parken konnten. Das
versuche ich ein anderes Mal.
Mir
war jetzt arschkalt. Ich setzte mich in den mittagswarmen Gastraum. Es
roch nach Tagesgericht. Der Tisch war mies - direkt im Durchgangsgebiet
der Servicekräfte. Half aber nüscht - überall waren die Plätze besetzt.
Gut für die Gaststätte, die momentan in Eigenregie des Personals geführt
wird. Auch hier beginnt das Gaststättensterben der alteingesessenen
Häuser. Das Tetzelstein-Lokal weg, dafür so eine Ballerhütte hin wie
oben, am echten Torfhaus. Alm-Hütte im Elm. Ja schönen Dank auch. Das
paßt da hin wie ein Elefant im rosa Tüllkleid in den Dschungel.
Eine
alte Dame fragte, ob sie sich zu mir setzen könnte. Wir vertieften uns
in ein fröhliches Gespräch über Vergangenheit und Zukunft im
Allgemeinen, und über die Gastronomie im besonderen. Sie war sichtlich
froh, nicht allein sitzen zu müssen. Ich war froh, meine heiße
Schokolade und den Cappu nicht allein zu trinken. Zwei Rücken im
Flugwind der Kellnerinnen - deutlich komfortabler. Wir wurden nicht mehr
angeschubst.
Ich
war aufgetaut, die Uhrzeit ging voran - so verabschiedete ich mich von
der netten Frau, die fleißig an ihrer Seniorenportion mümmelte. Drei
Stücke Schweinefilet, Rotkraut, Kroketten, Salatschälchen. Eine völlig
normale Erwachsenenportion. Das versuche ich beim nächsten Mal auch. Mit
meinen weißen Haaren gehe ich bestimmt gut als Seniorin durch - humpeln
kann ich auch ganz prima!
Als
ich zur Kreidler zurückkam, stand ein Pärchen vor ihr und mit dem Mann
gab es noch ein nettes Benzingespräch. Er wußte sogar, dass CRümel ein
"Fake" ist. Die beiden sind öfter dort oben, sie fährt zum Einen eine
250er Virago und zur Ergänzung noch eine Suzuki. Damit sie hinter ihrem
Mann hinterher kommt. Weil die Virago doch etwas lahm auf dem Zylinder
ist. Ja, kann ich nachvollziehen - ich bin auch froh darüber, dass ich
Ellie noch als Ergänzung habe.
Da es sowenig Fotos von mir UND der Maschine gibt, bat ich den Mann um Fotohilfe. Er war so gut. Bitteschön!
Während
ich so posierte, kam ein kauziger Gespannfahrer angefahren. "Hey, dich
kenne ich", rief er aus dem Klapphelm heraus. Jo, stimmt. Wir trafen uns
letztes Jahr in Rieseberg auf dem Oldtimer-Treff. Er stand damals neben
mir und beäugte die kleine Kreidler sichtlich angewidert *kicher*.
Nun
war es Zeit, heimzufahren. Bevor die Cappucinowärme ganz verloren ging.
Ja, ich bin verwöhnt von Ellies Griffheizung und den Stulpen an den
Griffen. Für die Kreidler habe ich zwar auch Stulpen, die ich bisher
aber nicht gebraucht hatte. War zu warm gewesen.
Auf dem Rückweg kamen mir einige Gruppen von Motorradfahrern entgegen. Reinigungsflug der Saisonkennzeichler.
Fazit:
Ungefähr
55 Kilometer gefahren. Hat Spaß gemacht und den Kopf frei gepustet.
Rund 70 % der Fahrer, die mir begegneten, grüßten nicht.
Also alles wie im letzten Jahr ;-)


