CRümel

CRümel

Donnerstag, 5. März 2020

Saisonstart der anderen - mal mitgemacht: 1.3.2020

Endlich bot sich mal wieder eine Gelegenheit. Wobei das auch nicht ganz korrekt ist. Die Gelegenheiten waren schon öfter mal da gewesen, in diesem "Winter" 2020. Aber Gelegenheiten und Körperliches passen nicht immer zusammen. Rücken, Bronchien, innere Lustlosigkeit verhindern das schon ab und an ...

Da der Joghurtbecher vom Zettfahrer im Krankenhaus war, seine Zettis bis April noch schlummern, mußte ich mir also allein den Tritt verpassen. Nachdem Ellies Batterieleistung-im-Ruhemodus mal wieder auf unter fünfzig Prozent abgesunken war und das Aufladen bekanntlich etwas dauert, entstaubte ich die kleine Kreidler. Das Anlassen der weiterhin gut erhaltenen Batterie verlief etwas schwergängig. Und ohne den Choke wollte die kleine 125er so gar nicht an bleiben. Ein Dreh an der Standgasschraube brachte dann eine Verbesserung!

Tags zuvor hatte ich einen Reservekanister befüllt, der jetzt in den Tank vom CRümel wanderte. Diesmal ohne nennenswerte Schäden durch Vorbeikleckern. Geübt ...

Dann plünnte ich mich an - und oh Wunder: die Textilhose paßte wieder. Mit langer Unterbüx und ohne Winterfutter zwar nur, aber schon deutlich bequemer als noch vor einem Jahr. Medikamente und ständige Übelkeit sind also nicht immer totaler Scheiß. Man nimmt ab. Nachahmung nicht empfohlen ;-).

Erst fuhr ich eine kleine Dorfrunde, damit sich das Motörchen erwärmt und auch ohne den Choke ein Fahren möglich ist. Nach so langer Standzeit ging ich auf Nummer Sicher. Nichts ist so ätzend, wie an einer Querstraße anzuhalten, das Möppi geht aus und nicht wieder an wegen abgesoffen/zu muckelig/kein Bock den warmen Stall zu verlassen etc. Ätzend wegen der nervigen Dosenfahrer hinter mir, wohlgemerkt.

Nachdem die Kreidler dann im Standgas brav vor sich hin tickte, ging es auf die Hauptstraße. Der Wind war ziemlich böig, 65 km/h fegten je nach Lust und Laune über das Land. Gut, das ich ein Eigengewicht habe. Das Maschinchen ansich ist mit seinen mageren 130 Kilo ein Schleuderball der Elemente.

Ich sah zunächst kein einziges anderes motorisiertes Zweirad. Dann kam mir auf dem Weg nach Sickte eine Harley entgegen. Nix Gruß. Einige Autos überholten mich sehr knapp, von Sicherheitsabstand beim Einscheren kannten die nichts. An der nächsten Ampel hatte ich sie dann wieder. In Erkerode bog ich ab Richtung Asse. Der CRümel lief wieder richtig gut. Bei 80 km/h hielt ich locker die Spur. Mit Sonne von vorne war es schön, und ich merkte, wie die alte Faszination wieder angeschlichen kam!

Ein kurzer Stopp für ein Foto.


Mit 4807,6 Kilometern auf dem Tacho bin ich also in die Märzsaison gestartet.

An der Asse hatte es geregnet. Dank der Windböen war die Straße zum großen Teil abgetrocknet. Ich fuhr zum nächsten Ort, bog rechts ab und fuhr dann in Richtung Reitlingstal weiter. Da wenig Verkehr war, und Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 wegen der Krötenwanderung, fuhr ich rein in das Naherholungsgebiet.

Das Ausflugslokal schien gut gefüllt, wenn man nach den Autos auf dem Parkplatz ging! Ich tuckerte so ruhig und langsam wie möglich an zwei Reitern vorbei, die sich freundlich winkend bei mir bedankten. Oben angekommen, war mir das aber doch zu voll, und ich kehrte wieder um.

Mal sehen, ob ich am Tetzelstein, dem Torfhaus-für-Arme, etwas tat. Am Wegrand lagen noch Schneereste. Huch? Schnee hatte ich in diesem Winter nur auf den Fotos im Internet gesehen!

Ich fuhr um eine Kurve und in der Ferne sprang etwas auf die Straße: Laserkontrolle. Pöh - grinsend und mit links winkend öddelte ich am Fahrzeug vorbei. Die Kollegin des Jedi-Ritters winkte grinsend zurück.

Dann war ich beim Treff angekommen. Da die Seitenstreifen aufgewühlt und zerfahren waren, fuhr ich direkt zum Eingang. Später erfuhr ich von einem Gespannfahrer, dass die Biker gerne eine Seitenzufahrt nutzen durften, und somit fast direkt an der Gaststätte parken konnten. Das versuche ich ein anderes Mal.

Mir war jetzt arschkalt. Ich setzte mich in den mittagswarmen Gastraum. Es roch nach Tagesgericht. Der Tisch war mies - direkt im Durchgangsgebiet der Servicekräfte. Half aber nüscht - überall waren die Plätze besetzt. Gut für die Gaststätte, die momentan in Eigenregie des Personals geführt wird. Auch hier beginnt das Gaststättensterben der alteingesessenen Häuser. Das Tetzelstein-Lokal weg, dafür so eine Ballerhütte hin wie oben, am echten Torfhaus. Alm-Hütte im Elm. Ja schönen Dank auch. Das paßt da hin wie ein Elefant im rosa Tüllkleid in den Dschungel.

Eine alte Dame fragte, ob sie sich zu mir setzen könnte. Wir vertieften uns in ein fröhliches Gespräch über Vergangenheit und Zukunft im Allgemeinen, und über die Gastronomie im besonderen. Sie war sichtlich froh, nicht allein sitzen zu müssen. Ich war froh, meine heiße Schokolade und den Cappu nicht allein zu trinken. Zwei Rücken im Flugwind der Kellnerinnen - deutlich komfortabler. Wir wurden nicht mehr angeschubst.

Ich war aufgetaut, die Uhrzeit ging voran - so verabschiedete ich mich von der netten Frau, die fleißig an ihrer Seniorenportion mümmelte. Drei Stücke Schweinefilet, Rotkraut, Kroketten, Salatschälchen. Eine völlig normale Erwachsenenportion. Das versuche ich beim nächsten Mal auch. Mit meinen weißen Haaren gehe ich bestimmt gut als Seniorin durch - humpeln kann ich auch ganz prima!

Als ich zur Kreidler zurückkam, stand ein Pärchen vor ihr und mit dem Mann gab es noch ein nettes Benzingespräch. Er wußte sogar, dass CRümel ein "Fake" ist. Die beiden sind öfter dort oben, sie fährt zum Einen eine 250er Virago und zur Ergänzung noch eine Suzuki. Damit sie hinter ihrem Mann hinterher kommt. Weil die Virago doch etwas lahm auf dem Zylinder ist. Ja, kann ich nachvollziehen - ich bin auch froh darüber, dass ich Ellie noch als Ergänzung habe.

Da es sowenig Fotos von mir UND der Maschine gibt, bat ich den Mann um Fotohilfe. Er war so gut. Bitteschön!



Während ich so posierte, kam ein kauziger Gespannfahrer angefahren. "Hey, dich kenne ich", rief er aus dem Klapphelm heraus. Jo, stimmt. Wir trafen uns letztes Jahr in Rieseberg auf dem Oldtimer-Treff. Er stand damals neben mir und beäugte die kleine Kreidler sichtlich angewidert *kicher*.

Nun war es Zeit, heimzufahren. Bevor die Cappucinowärme ganz verloren ging. Ja, ich bin verwöhnt von Ellies Griffheizung und den Stulpen an den Griffen. Für die Kreidler habe ich zwar auch Stulpen, die ich bisher aber nicht gebraucht hatte. War zu warm gewesen.
Auf dem Rückweg kamen mir einige Gruppen von Motorradfahrern entgegen. Reinigungsflug der Saisonkennzeichler.


Fazit:
Ungefähr 55 Kilometer gefahren. Hat Spaß gemacht und den Kopf frei gepustet. Rund 70 % der Fahrer, die mir begegneten, grüßten nicht.
Also alles wie im letzten Jahr ;-)