Es folgte das Übliche wie Blinkerprüfung, Ständer runterklappen (geht der Motor aus wie er soll), Lichtprobe, Bremsen treten bzw. fassen. Und für 78 Euro bekamen wir die Genehmigung.
Ich hing gleich eine Hausrunde an den Termin dran. CRümel lief noch nicht richtig. Obwohl frischer Sprit drauf war, machte der Motor ab und an ein unrundes Holpern. Der Schrauber meinte, ich solle erstmal einige hundert Kilometer fahren. Nachdem der Einzylinder so lange gestanden hatte, könne sich das mit dem Fahren wieder bessern.
Na, das tat ich doch gerne, das "einige hundert Kilometer fahren" fahren.
War meine Stimmung letzte Woche überwiegend SO gewesen:
... wurde es langsam besser im Gehirn! Auf einen Hügel setzen - oder fahren - und mal weit ins Land schauen macht einem den Kopf frei. Das war in der letzten Saison schon so. Und das gilt auch heute wieder.
Herrliche Abendzeit, die mit dem Untergang der Februarsonne gleich empfindlich kühl wurde. Egal, hauptsache raus an die Luft, Fernblick und Wind um den Helm pusten lassen. Siehe da: es half. Auch wenn das restliche Adrenalin mich nachts nicht tief schlafen ließ, verhalf mir das Moppedfahren zumindest zum guten Einschlafen.
Am Freitag morgen war der Rasen weiß: Nachtfrost. Also schob ich erstmal die Hausputz-Arbeit an. Gegen Mittag strahlte die Sonne, und es war herrlich warm mit zwölf Grad. Der weitere Haus- und Wohnungsputz mußte warten - jetzt hieß es Gelegenheit zu nutzen!
Ich fuhr gemütlich über die Dörfer nach Wernigerode, den Bruchpiloten im Krankenhaus besuchen. Warm eingepackt fuhr ich meine 62 Kilometer lange Runde. Der CRümel bollerte in gewissen Geschwindigkeiten wie ein Großer, und so mancher Passant drehte sich nach uns um.
Zetti war schon ein wenig neidisch, weil ich schon fahren konnte und er stattdessen ... aber es half ja nichts. Erstmal wieder gesund werden. Die Saison ist noch lang genug, und sicher wird er mal fahren können, wenn ICH nicht frei habe!
Auf dem Rückweg bog ich über den Fallstein ab, fuhr durch das Grenzdorf Rhoden auf der Sachsen-Anhalt-Seite, und nutzte den neuen Straßenbelag nach Osterode/Fallstein. Zwischen Osterode und Veltheim, die L91, wurde monatelang der Asphalt erneuert. Vormals eine böse Buckelpiste, war jetzt ein aalglatter Belag geschaffen. So richtig zum Brettern. Was einige Gebückte und verstärkt auch die Autofahrer mit zweifelhafter Manier nutzten.
Eine Anhöhe lockte aus den Augenwinkeln. Ich hatte die Nase voll von den Hartz4-Schumis, und wollte eine Pause. Ich suchte mir einen Wendepunkt, schob den CRümel hin und her, und holperte wenig später den Wirtschaftsweg hinauf bis zu einer Halteschleife. Hier war ein grandioser Fernblick ins Umland!
Weit weit ging der Blick hinunter. Hier oben war kein Geräusch zu hören, außer das ab und an ein versteckt sitzender Vogel zaghaft vor sich hinpiepste. Dieser Weg hätte Zetti auch gefallen, so typisch "Ich-entdeckt".
Bevor die Sonne ganz weg sein würde, fuhr ich weiter. Einen Fotostopp wollte ich noch machen.
Hessendamm, Mattierzoll.
Mattierzoll liegt an der B 79 auf halbem Weg zwischen Halberstadt und Wolfenbüttel unmittelbar an der Landesgrenze Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Der Ortsname leitet sich von Mattier ab, einer Zahlungseinheit zum Überqueren des Hessendamms nach Hessen am Fallstein.
Die Grenze war zu allen Zeiten durchlässig und wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg immer unüberwindbarer. Hier grenzten die sowjetische und die britische Besatzungszone aneinander, was zur stark gesicherten innerdeutschen Grenze führte. Die frühere Reichsstraße 79, nunmehr im Westen B 79 und auf dem Gebiet der DDR Fernverkehrsstraße 79, wurde zwischen Mattierzoll und dem Ort Hessen unterbrochen. Auf westlicher Seite bestand sie als schmale, kopfsteingepflasterte Straße bis an die Grenzanlagen. Neben ihr wurde ein Informationspunkt über die Grenzanlagen und den Todesstreifen eingerichtet.
Am 12. November 1989 um 7.58 Uhr öffnete sich durch die Wende und friedliche Revolution in der DDR die Grenze und die B 79 wurde wieder durchgängig befahrbar. Heute erinnern nur noch ein erhalten gebliebener Grenzwachturm und der Informationspunkt an die ehemalige Grenze. (Quelle: Wikipedia).
Heute nutzen Vollidioten den Bereich um den Wachturm als illegalen Müllabladeplatz. Von Zeit zu Zeit säubern Mitarbeiter der Straßenmeisterei den Bereich. Das Rasenstück vor dem Turm wirkt ungepflegt, das Erklär-Schild vor dem Turm ist von Grünspan und Vogelkot überzogen, das ganze Gelände sieht vernachlässigt aus. Ich finde es sehr schade, dass dieses Mahnmal der deutschen Geschichte verkommt. Es ist verständlich, dass dieser Teil der deutschen Geschichte (Teilung des Volkes) gerade bei den Anwohnern kein Jubelgeschrei auslöst. Aber dieser Teil existiert nun mal, und kein Gestrüpp der Welt und kein noch so großer Sperrmüllhaufen kann das übertünchen!
Mit einbrechender Dunkelheit und ziemlicher Nachtkühle kamen wir Zuhause vor der Garage an. Morgen ist der CRümel dran. Kettenpflege, Dreck abputzen, Schraubenkontrolle. Durch die Vibrationen rüttelt sich immer irgendwo etwas lose. Da konnte ich auch gleich ausprobieren, ob ich den Hinterrad-Heber noch beherrschte.
Samstag nach dem CRümel Check - alles ging gut - ging es wieder los, Richtung Harz. Zetti war aus dem Krankenhaus frei gelassen worden. Der Familienköter hatte während seiner Abwesenheit so einiges zerlegt, und konnte sich kaum beruhigen, als Zetti Zuhause ankam. So freut sich nur ein Boxer. Mitsamt dem ganzen Körper, und begleitet von ganz ganz viel Gesabber ...
Auf dem Rückweg zu mir hieß es tanken. Wieder kamen knapp 150 Kilometer auf CRümels Tacho drauf. Die Tankquittung ergab 3,5 Liter auf 100 Kilometern. Not bad!
Durch die kühlen Nachttemperaturen war die Fernsicht erneut ein Traum. Der Vorharz, die Asse, der Elm - alles in verwischte Hellblau-Töne getüncht.
Wir sahen viele andere Zweiradfahrer. Einige probierten ihre neuen Lederkombis aus, andere gingen es deutlich entspannter an. Manche Hand zuckte zu unserem Gruß heraus, um dann wie verschämt wieder an den Lenker zu fassen. Ich mußte schmunzeln. CRümel und ich fahren ganzjährig, lange, oft und relativ häufig auch unkonventionell querfeldein durch die Lande - und trotzdem waren wir es in deren Augen offenbar nicht wert, gegrüßt zu werden.
Die untergehende Sonne färbte den Himmel blutrot. Glücklich und voll mit Adrenalin kamen wir Zuhause an. Der CRümel gefällt mir immer besser. Etwas schwach auf dem Motörchen ist er schon. Als 250er wäre er sicher noch attraktiver. Bei starkem Gegenwind hopst das leichte Maschinchen auch gerne mal ein Stück. Wenn es allerdings darum geht, Wege zu befahren, die "eigentlich" nicht erlaubt sind ... geht die Kreidler auch mal als Mofa durch. Und damit provoziert es die Passanten weniger. CRümel KANN auch leise ...
Auch der Sonntag hatte in der Nacht Frost gezeigt. Und wieder lockte ein wunderschönes Sonnenwetter. Zetti und ich wollten heute auswärts essen. Ritchys Grillrestaurant war der Treffpunkt. Er fuhr mit dem Auto an, ich mit zwei Rädern.
Ich entdeckte auf dem Weg ein Heavens-Gate ...
Freistehend, mit hineingeschmiedetem Monogramm. Da ich kreuz und quer gefahren war, ohne großartig auf die Karte zu schauen, kann ich keinen Ortshinweis geben. Da muß ich wohl noch einmal längs fahren ...
Da wir noch Zeit hatten, machte ich einen weiteren Stopp. Fotozeit...
In größerer Entfernung trabte eine Herde Rehe über die Feldmark. Es war gegen 14 Uhr. Als ich den CRümel wieder anließ und aus dem Seitenweg röhrte, galoppierte die Herde aufgeschreckt davon. Loud Pipes save Life ...
Bei Ritchy waren so einige Biker anwesend. Das Wetter lockte natürlich. Ein guter Kumpel vom Zettfahrer kam auch vorbei. Der hatte jahrelang krankheitsbedingt nicht fahren können. Jetzt hatte er sich eine Intruder gekauft, und nun ging es auch wieder an. Das wird sicher prima, wenn die ganze motorisierte Clique der Motorradfreunde Wasserleben mal auf Achse fahren wird!
Vier schöne erlebnisreiche Tage waren das. Wir haben es genossen.
Der CRümel läuft übrigens wieder rund. Nach ungefähr 350 Kilometern hört sich der Motor wieder richtig emsig an!














