CRümel

CRümel

Montag, 18. Februar 2019

Träumchen Zeit

Letzten Donnerstag war TÜV. Kein Thema, das mit der senfgelben Plakette. Der TÜV Mann fragte dann auch schulterzuckend, was er denn protokollieren solle. Die wäre doch neu. Baujahr 2017, mal zur Erinnerung.
Es folgte das Übliche wie Blinkerprüfung, Ständer runterklappen (geht der Motor aus wie er soll), Lichtprobe, Bremsen treten bzw. fassen. Und für 78 Euro bekamen wir die Genehmigung.

 


Ich hing gleich eine Hausrunde an den Termin dran. CRümel lief noch nicht richtig. Obwohl frischer Sprit drauf war, machte der Motor ab und an ein unrundes Holpern. Der Schrauber meinte, ich solle erstmal einige hundert Kilometer fahren. Nachdem der Einzylinder so lange gestanden hatte, könne sich das mit dem Fahren wieder bessern.

Na, das tat ich doch gerne, das "einige hundert Kilometer fahren" fahren.

War meine Stimmung letzte Woche überwiegend SO gewesen:


... wurde es langsam besser im Gehirn! Auf einen Hügel setzen - oder fahren - und mal weit ins Land schauen macht einem den Kopf frei. Das war in der letzten Saison schon so. Und das gilt auch heute wieder.



Herrliche Abendzeit, die mit dem Untergang der Februarsonne gleich empfindlich kühl wurde. Egal, hauptsache raus an die Luft, Fernblick und Wind um den Helm pusten lassen. Siehe da: es half. Auch wenn das restliche Adrenalin mich nachts nicht tief schlafen ließ, verhalf mir das Moppedfahren zumindest zum guten Einschlafen.


Am Freitag morgen war der Rasen weiß: Nachtfrost. Also schob ich erstmal die Hausputz-Arbeit an. Gegen Mittag strahlte die Sonne, und es war herrlich warm mit zwölf Grad. Der weitere Haus- und Wohnungsputz mußte warten - jetzt hieß es Gelegenheit zu nutzen!

Ich fuhr gemütlich über die Dörfer nach Wernigerode, den Bruchpiloten im Krankenhaus besuchen. Warm eingepackt fuhr ich meine 62 Kilometer lange Runde. Der CRümel bollerte in gewissen Geschwindigkeiten wie ein Großer, und so mancher Passant drehte sich nach uns um.

Zetti war schon ein wenig neidisch, weil ich schon fahren konnte und er stattdessen ... aber es half ja nichts. Erstmal wieder gesund werden. Die Saison ist noch lang genug, und sicher wird er mal fahren können, wenn ICH nicht frei habe!

Auf dem Rückweg bog ich über den Fallstein ab, fuhr durch das Grenzdorf Rhoden auf der Sachsen-Anhalt-Seite, und nutzte den neuen Straßenbelag nach Osterode/Fallstein. Zwischen Osterode und Veltheim, die L91, wurde monatelang der Asphalt erneuert. Vormals eine böse Buckelpiste, war jetzt ein aalglatter Belag geschaffen. So richtig zum Brettern. Was einige Gebückte und verstärkt auch die Autofahrer mit zweifelhafter Manier nutzten.

Eine Anhöhe lockte aus den Augenwinkeln. Ich hatte die Nase voll von den Hartz4-Schumis, und wollte eine Pause. Ich suchte mir einen Wendepunkt, schob den CRümel hin und her, und holperte wenig später den Wirtschaftsweg hinauf bis zu einer Halteschleife. Hier war ein grandioser Fernblick ins Umland!




Weit weit ging der Blick hinunter. Hier oben war kein Geräusch zu hören, außer das ab und an ein versteckt sitzender Vogel zaghaft vor sich hinpiepste. Dieser Weg hätte Zetti auch gefallen, so typisch "Ich-entdeckt".

Bevor die Sonne ganz weg sein würde, fuhr ich weiter. Einen Fotostopp wollte ich noch machen.



Hessendamm, Mattierzoll.
Mattierzoll liegt an der B 79 auf halbem Weg zwischen Halberstadt und Wolfenbüttel unmittelbar an der Landesgrenze Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Der Ortsname leitet sich von Mattier ab, einer Zahlungseinheit zum Überqueren des Hessendamms nach Hessen am Fallstein.
Die Grenze war zu allen Zeiten durchlässig und wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg immer unüberwindbarer. Hier grenzten die sowjetische und die britische Besatzungszone aneinander, was zur stark gesicherten innerdeutschen Grenze führte. Die frühere Reichsstraße 79, nunmehr im Westen B 79 und auf dem Gebiet der DDR Fernverkehrsstraße 79, wurde zwischen Mattierzoll und dem Ort Hessen unterbrochen. Auf westlicher Seite bestand sie als schmale, kopfsteingepflasterte Straße bis an die Grenzanlagen. Neben ihr wurde ein Informationspunkt über die Grenzanlagen und den Todesstreifen eingerichtet.
Am 12. November 1989 um 7.58 Uhr öffnete sich durch die Wende und friedliche Revolution in der DDR die Grenze und die B 79 wurde wieder durchgängig befahrbar. Heute erinnern nur noch ein erhalten gebliebener Grenzwachturm und der Informationspunkt an die ehemalige Grenze. (Quelle: Wikipedia).

Heute nutzen Vollidioten den Bereich um den Wachturm als illegalen Müllabladeplatz. Von Zeit zu Zeit säubern Mitarbeiter der Straßenmeisterei den Bereich. Das Rasenstück vor dem Turm wirkt ungepflegt, das Erklär-Schild vor dem Turm ist von Grünspan und Vogelkot überzogen, das ganze Gelände sieht vernachlässigt aus. Ich finde es sehr schade, dass dieses Mahnmal der deutschen Geschichte verkommt. Es ist verständlich, dass dieser Teil der deutschen Geschichte (Teilung des Volkes) gerade bei den Anwohnern kein Jubelgeschrei auslöst. Aber dieser Teil existiert nun mal, und kein Gestrüpp der Welt und kein noch so großer Sperrmüllhaufen kann das übertünchen!


Mit einbrechender Dunkelheit und ziemlicher Nachtkühle kamen wir Zuhause vor der Garage an. Morgen ist der CRümel dran. Kettenpflege, Dreck abputzen, Schraubenkontrolle. Durch die Vibrationen rüttelt sich immer irgendwo etwas lose. Da konnte ich auch gleich ausprobieren, ob ich den Hinterrad-Heber noch beherrschte.

Samstag nach dem CRümel Check - alles ging gut - ging es wieder los, Richtung Harz. Zetti war aus dem Krankenhaus frei gelassen worden. Der Familienköter hatte während seiner Abwesenheit so einiges zerlegt, und konnte sich kaum beruhigen, als Zetti Zuhause ankam. So freut sich nur ein Boxer. Mitsamt dem ganzen Körper, und begleitet von ganz ganz viel Gesabber ...

Auf dem Rückweg zu mir hieß es tanken. Wieder kamen knapp 150 Kilometer auf CRümels Tacho drauf. Die Tankquittung ergab 3,5 Liter auf 100 Kilometern. Not bad!

Durch die kühlen Nachttemperaturen war die Fernsicht erneut ein Traum. Der Vorharz, die Asse, der Elm - alles in verwischte Hellblau-Töne getüncht.

Wir sahen viele andere Zweiradfahrer. Einige probierten ihre neuen Lederkombis aus, andere gingen es deutlich entspannter an. Manche Hand zuckte zu unserem Gruß heraus, um dann wie verschämt wieder an den Lenker zu fassen. Ich mußte schmunzeln. CRümel und ich fahren ganzjährig, lange, oft und relativ häufig auch unkonventionell querfeldein durch die Lande - und trotzdem waren wir es in deren Augen offenbar nicht wert, gegrüßt zu werden.

Die untergehende Sonne färbte den Himmel blutrot. Glücklich und voll mit Adrenalin kamen wir Zuhause an. Der CRümel gefällt mir immer besser. Etwas schwach auf dem Motörchen ist er schon. Als 250er wäre er sicher noch attraktiver. Bei starkem Gegenwind hopst das leichte Maschinchen auch gerne mal ein Stück. Wenn es allerdings darum geht, Wege zu befahren, die "eigentlich" nicht erlaubt sind ... geht die Kreidler auch mal als Mofa durch. Und damit provoziert es die Passanten weniger. CRümel KANN auch leise ...

Auch der Sonntag hatte in der Nacht Frost gezeigt. Und wieder lockte ein wunderschönes Sonnenwetter. Zetti und ich wollten heute auswärts essen. Ritchys Grillrestaurant war der Treffpunkt. Er fuhr mit dem Auto an, ich mit zwei Rädern.

Ich entdeckte auf dem Weg ein Heavens-Gate ... 


Freistehend, mit hineingeschmiedetem Monogramm. Da ich kreuz und quer gefahren war, ohne großartig auf die Karte zu schauen, kann ich keinen Ortshinweis geben. Da muß ich wohl noch einmal längs fahren ...

Da wir noch Zeit hatten, machte ich einen weiteren Stopp. Fotozeit...



In größerer Entfernung trabte eine Herde Rehe über die Feldmark. Es war gegen 14 Uhr. Als ich den CRümel wieder anließ und aus dem Seitenweg röhrte, galoppierte die Herde aufgeschreckt davon. Loud Pipes save Life ...

Bei Ritchy waren so einige Biker anwesend. Das Wetter lockte natürlich. Ein guter Kumpel vom Zettfahrer kam auch vorbei. Der hatte jahrelang krankheitsbedingt nicht fahren können. Jetzt hatte er sich eine Intruder gekauft, und nun ging es auch wieder an. Das wird sicher prima, wenn die ganze motorisierte Clique der Motorradfreunde Wasserleben mal auf Achse fahren wird!

Vier schöne erlebnisreiche Tage waren das. Wir haben es genossen.



Tschüssi - bis die Tage mal wieder!

Der CRümel läuft übrigens wieder rund. Nach ungefähr 350 Kilometern hört sich der Motor wieder richtig emsig an!

Montag, 11. Februar 2019

Saisonbeginn

Man soll ja die Gelegenheiten nutzen, sagt ein Sprichwort. Nachdem ich monatelang NICHT nutzen konnte - außer Batteriepflege, Speichen putzen und süchtig am Auspuff schnuppern - hielt mich letzte Woche nichts mehr. Die Straßen waren okay vom Zustand her, wenn auch noch nicht perfekt. Perfekt wäre gewesen: tagelanger Regen, der das Salz und den Split vom Asphalt wäscht. Aber irgendwas ist ja immer.

Außentemperaturen von acht Grad waren genial. Wobei die Wetterapp meines Handys leicht nach unten meldete, aber ich nahm lieber das Fensterthermometer. Das sagte 8, und darauf stellte ich mich ein!

Etwas ungewohnt war das Anplünnen. Dank Klettverschluß an der Hose paßte der Hosenbund. Memo an mich selbst: das Radfahren wieder verstärkt anfangen.

CRümels Batterie hatte ich bereits einen Tag vorher eingebaut. Eine Batterie, wo ich destilliertes Wasser nachfüllen muß - völliges Neuland für mich. Vom Wasser war aber nur ungefähr 1/5 verdunstet, so daß ich mir da noch keinen Kopf machte.

CRümel sprang nach einigen Hustern sofort an. Mit gezogenem Choke ließ ich den kleinen Motor länger im Stand laufen, bis er warm genug war. Er lief nicht richtig rund. Da braucht es noch einmal eine Nachkorrektur. Nach der Inspektion im letzten Jahr lief der Motor richtig prima. Vielleicht hat das lange Stehen nicht gut getan. Mit Einzylindern habe ich noch keine Erfahrung.

Die ersten Meter fuhr ich im Dorf herum, damit ich wieder ein Gefühl bekam. Das stellte sich aber rasch ein. Die kleine Kreidler ist so leicht zu handhaben, dass es eine Freude war! Ungewohnt war eher der Fahrtwind. Der pfiff mir um die Ohren. Ich war warm genug eingeplünnt mit Zwiebelprinzip, und am Kopf schützte die Sturmhaube von Thermoboy. Da ich um die Mittagszeit herum fuhr, war der umliegende Verkehr noch nicht so ätzend. Es ging über kleine Straßen, ich querte die B1 und fuhr am Rand des Elm entlang. Mir war nach Fernblick!

Destedt, Hemkenrode, Erkerode und in Richtung des Asse-Höhenzuges ging meine Tour. Im kleinen Dorf Weferlingen mit seinen schönen sanften Vierfachkurven heftete sich ein Auto der örtlichen Altenpflegerin an mein Heck. Ich fuhr trotzig meinen gemächlichen Stiefel, was sich als rettend herausstellte: aus einer Hofeinfahrt kam ein junger Bengel geprescht. Eine Vollbremsung meinerseits verhinderte einen Zusammenstoß. CRümels Hinterrad schlingerte auf dem Salzglitsch herum. Da die kleine Maschine so leicht war, konnte ich einen Sturz verhindern. Der Bengel guckte dreist zur anderen Seite, als er dann weiterfuhr.

Grumpf. Das wär's gewesen, und gleich beim ersten Reinigungsritt! Ich fuhr rechts ran und schnaufte erstmal aus. Diese Kurven nahm ich sonst auch immer mit Vorsicht, eben weil da diese Hofausfahrt ist. Wäre ich schneller als mit 30 km/h unterwegs gewesen ...

Bislang war das Jahr 2019 schon ein ziemlicher Miesepeter gewesen - das hätte mir echt das gesamte Jahr endgültig verhagelt!

Es ging weiter, durch den Ort Vahlberg, herauf auf den Hügel mit Blick zum Brocken.




Das Land war noch kahl, das Gras zeigte sich trostlos matschig braun. Einzelne Felder waren mit kleinen grünen Pflanzen bewachsen. In den Senken lagen schmutzige Reste vom Schnee. Trotzdem fand ich das Auslüften grandios: endlich wieder Weitblick! Landschaft-Guck. Luft holen, an allem sehr dicht dran sein ... das hatte mir so sehr gefehlt. Ich habe das Gefühl, je älter ich werde, umso weniger ertrage ich die langen dunklen Tage vom Winter. Das eingeschränkte Unterwegs-sein. Da hilft das Fahrradfahren auch nur zeitweilig! Ein schwacher Ersatz für die Fahrfreude, die ein Moped bringt. Oder ein Motorrad. Wie auch immer!


Die Pastellfarben der Landschaft mochte ich besonders. Das Land schlummert noch, und trotzdem ist der Vorfrühling schon in den Startlöchern. Die ersten Revierlieder der Kohlmeisen tönen durch die Lüfte, und in den Vorgärten stecken Schneeglöckchen und Winterlinge die Köpfe aus der krümeligen Erde.

Bei der ganzen Freude vergaß ich die Zeit, und als die Sonne unterging, wurde es empfindlich kühl. Ich fuhr auf dem kürzesten Weg nach Hause. Meine Füße waren eisekalt. Ich genoß das heiße Vollbad. Wohlige Wärme kroch in den ausgekühlten Körper zurück, während ich die Tour noch einmal im Geiste nachträumte.

Am nächsten Tag schien die Sonne wie bestellt, und die Temperaturen kletterten an die zehn Grad heran. Erneut ging es in die Landschaft. Sogar zweimal an einem Tag. Erst eine kleinere Runde zum Tanken. Auf dem Tageskilometerzählter standen 364 Kilometer, eine Summe, die ich bei Ellie noch nie hatte. Die Rechnung ergab 3,4 Liter auf 100 Kilometer. Der Tank der Kreidler faßt 16 Liter. Damit komme ich mehr als doppelt so weit wie mit Ellie.

Am frühen Nachmittag kam noch eine Fototour dazu. Ich entdeckte einen kleinen Weg zu einer Bank, der dort in einer Sackgasse endete. Ein fantastischer Blick ins Land bot sich uns - hier werde ich mal eine Picknick-Pause machen. Später, wenn es etwas wärmer ist!


Der Asse-Höhenzug im Hintergrund





Am Rittergut in Lucklum



Auf dem Rückweg erwischte mich eine Regenfront, die den CRümel total einsiffen ließ. Der Dreck spritzte mir bis zum Knie hoch. Zwei Eimer Putzwasser waren nötig, um die kleine Kreidler wieder in strahlenden Glanz zu bringen!

Nun sind knapp 150 Kilometer mehr auf dem Tacho. Und das Wetter ist wieder mistig geworden. Aber ich konnte schon mal ausprobieren, wie schön es bald wieder wird!

Bei der Gelegenheit stellte ich fest, dass CRümel im Januar tüv-fällig gewesen war. Mal schauen, wann ich das jetzt nachholen kann!