CRümel

CRümel

Montag, 11. Februar 2019

Saisonbeginn

Man soll ja die Gelegenheiten nutzen, sagt ein Sprichwort. Nachdem ich monatelang NICHT nutzen konnte - außer Batteriepflege, Speichen putzen und süchtig am Auspuff schnuppern - hielt mich letzte Woche nichts mehr. Die Straßen waren okay vom Zustand her, wenn auch noch nicht perfekt. Perfekt wäre gewesen: tagelanger Regen, der das Salz und den Split vom Asphalt wäscht. Aber irgendwas ist ja immer.

Außentemperaturen von acht Grad waren genial. Wobei die Wetterapp meines Handys leicht nach unten meldete, aber ich nahm lieber das Fensterthermometer. Das sagte 8, und darauf stellte ich mich ein!

Etwas ungewohnt war das Anplünnen. Dank Klettverschluß an der Hose paßte der Hosenbund. Memo an mich selbst: das Radfahren wieder verstärkt anfangen.

CRümels Batterie hatte ich bereits einen Tag vorher eingebaut. Eine Batterie, wo ich destilliertes Wasser nachfüllen muß - völliges Neuland für mich. Vom Wasser war aber nur ungefähr 1/5 verdunstet, so daß ich mir da noch keinen Kopf machte.

CRümel sprang nach einigen Hustern sofort an. Mit gezogenem Choke ließ ich den kleinen Motor länger im Stand laufen, bis er warm genug war. Er lief nicht richtig rund. Da braucht es noch einmal eine Nachkorrektur. Nach der Inspektion im letzten Jahr lief der Motor richtig prima. Vielleicht hat das lange Stehen nicht gut getan. Mit Einzylindern habe ich noch keine Erfahrung.

Die ersten Meter fuhr ich im Dorf herum, damit ich wieder ein Gefühl bekam. Das stellte sich aber rasch ein. Die kleine Kreidler ist so leicht zu handhaben, dass es eine Freude war! Ungewohnt war eher der Fahrtwind. Der pfiff mir um die Ohren. Ich war warm genug eingeplünnt mit Zwiebelprinzip, und am Kopf schützte die Sturmhaube von Thermoboy. Da ich um die Mittagszeit herum fuhr, war der umliegende Verkehr noch nicht so ätzend. Es ging über kleine Straßen, ich querte die B1 und fuhr am Rand des Elm entlang. Mir war nach Fernblick!

Destedt, Hemkenrode, Erkerode und in Richtung des Asse-Höhenzuges ging meine Tour. Im kleinen Dorf Weferlingen mit seinen schönen sanften Vierfachkurven heftete sich ein Auto der örtlichen Altenpflegerin an mein Heck. Ich fuhr trotzig meinen gemächlichen Stiefel, was sich als rettend herausstellte: aus einer Hofeinfahrt kam ein junger Bengel geprescht. Eine Vollbremsung meinerseits verhinderte einen Zusammenstoß. CRümels Hinterrad schlingerte auf dem Salzglitsch herum. Da die kleine Maschine so leicht war, konnte ich einen Sturz verhindern. Der Bengel guckte dreist zur anderen Seite, als er dann weiterfuhr.

Grumpf. Das wär's gewesen, und gleich beim ersten Reinigungsritt! Ich fuhr rechts ran und schnaufte erstmal aus. Diese Kurven nahm ich sonst auch immer mit Vorsicht, eben weil da diese Hofausfahrt ist. Wäre ich schneller als mit 30 km/h unterwegs gewesen ...

Bislang war das Jahr 2019 schon ein ziemlicher Miesepeter gewesen - das hätte mir echt das gesamte Jahr endgültig verhagelt!

Es ging weiter, durch den Ort Vahlberg, herauf auf den Hügel mit Blick zum Brocken.




Das Land war noch kahl, das Gras zeigte sich trostlos matschig braun. Einzelne Felder waren mit kleinen grünen Pflanzen bewachsen. In den Senken lagen schmutzige Reste vom Schnee. Trotzdem fand ich das Auslüften grandios: endlich wieder Weitblick! Landschaft-Guck. Luft holen, an allem sehr dicht dran sein ... das hatte mir so sehr gefehlt. Ich habe das Gefühl, je älter ich werde, umso weniger ertrage ich die langen dunklen Tage vom Winter. Das eingeschränkte Unterwegs-sein. Da hilft das Fahrradfahren auch nur zeitweilig! Ein schwacher Ersatz für die Fahrfreude, die ein Moped bringt. Oder ein Motorrad. Wie auch immer!


Die Pastellfarben der Landschaft mochte ich besonders. Das Land schlummert noch, und trotzdem ist der Vorfrühling schon in den Startlöchern. Die ersten Revierlieder der Kohlmeisen tönen durch die Lüfte, und in den Vorgärten stecken Schneeglöckchen und Winterlinge die Köpfe aus der krümeligen Erde.

Bei der ganzen Freude vergaß ich die Zeit, und als die Sonne unterging, wurde es empfindlich kühl. Ich fuhr auf dem kürzesten Weg nach Hause. Meine Füße waren eisekalt. Ich genoß das heiße Vollbad. Wohlige Wärme kroch in den ausgekühlten Körper zurück, während ich die Tour noch einmal im Geiste nachträumte.

Am nächsten Tag schien die Sonne wie bestellt, und die Temperaturen kletterten an die zehn Grad heran. Erneut ging es in die Landschaft. Sogar zweimal an einem Tag. Erst eine kleinere Runde zum Tanken. Auf dem Tageskilometerzählter standen 364 Kilometer, eine Summe, die ich bei Ellie noch nie hatte. Die Rechnung ergab 3,4 Liter auf 100 Kilometer. Der Tank der Kreidler faßt 16 Liter. Damit komme ich mehr als doppelt so weit wie mit Ellie.

Am frühen Nachmittag kam noch eine Fototour dazu. Ich entdeckte einen kleinen Weg zu einer Bank, der dort in einer Sackgasse endete. Ein fantastischer Blick ins Land bot sich uns - hier werde ich mal eine Picknick-Pause machen. Später, wenn es etwas wärmer ist!


Der Asse-Höhenzug im Hintergrund





Am Rittergut in Lucklum



Auf dem Rückweg erwischte mich eine Regenfront, die den CRümel total einsiffen ließ. Der Dreck spritzte mir bis zum Knie hoch. Zwei Eimer Putzwasser waren nötig, um die kleine Kreidler wieder in strahlenden Glanz zu bringen!

Nun sind knapp 150 Kilometer mehr auf dem Tacho. Und das Wetter ist wieder mistig geworden. Aber ich konnte schon mal ausprobieren, wie schön es bald wieder wird!

Bei der Gelegenheit stellte ich fest, dass CRümel im Januar tüv-fällig gewesen war. Mal schauen, wann ich das jetzt nachholen kann!

2 Kommentare:

  1. Na Du bist ja mutig. Die Dosenfahrer sind doch noch gar nicht wieder auf Zweiradfahrer eingestellt...
    Jedenfalls find ich Deinen Krümel ganz toll. Ich liebäugle selbst mit einer Mash, aber die Kreidler gefällt. China Bomber sind es ja heutzutage beide.

    Allzeit gute Fahrt, liebe Heike. Gruß aus dem stürmischen und nassen Schwarzwald, SonjaM

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  2. Hallo Sonja! Schön, von Dir zu lesen :-). Ich verfolge Deine Wanderungen und bin begeistert, was Du so alles entdeckst!!
    Was eine Mash ist, mußte ich erst einmal googeln. Die TT40 Cafe Racer sieht CRümel sehr ähnlich. 400 ccm - der Oberknaller! Aber auch die Scrambler gefällt mir. Von Mash hatte ich noch nie etwas gehört. Da hast Du ja "etwas angerichtet" ;-)! Ich und meine neue Leidenschaft für die Kleinmotorigen!
    Nass und stürmisch ist es hier jetzt ebenfalls. Eventuell verschiebe ich den TÜV auf nächste Woche. Danke Dir für Deine guten Wünsche. Hier fahren etliche Roller herum - insofern sind die Dosenfahrer doch schon mit Zweirädern konfrontiert. Allerdings beachten sie diese genausowenig wie Motorräder. Wer in einem Amaroq hockt, Handy im Blick - der hat nullkommanichts Interesse an der Außenwelt ... eine schlimme Entwicklung, die mit jedem Jahr schlimmer wird!

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